Hemp Boards & Eco Waves – Cannabis erobert die Surf-Industrie

Hemp Boards & Eco Waves – Cannabis erobert die Surf-Industrie

Lesezeit ca. 7 min

Surfen fühlt sich nach Freiheit an – salziges Wasser, Sonne im Gesicht, Barfuß-Vibes.

Doch viele klassische Boards bestehen aus Schaum, Glasfaser und Harzen, die ökologisch alles andere als leichtfüßig sind.

Genau hier wird Hanf spannend: als robuste Naturfaser, als Performance-Material und als Teil einer neuen Eco-Wave im Boardbau.

Warum Hanf im Surfboard mehr ist als nur ein grünes Label – erfährst du hier.

Hanf im Surfboard: Warum die neue Eco-Wave mehr ist als ein grünes Label

Von Hemp-Laminaten und Bio-Harzen bis zu recycelten Kernen und grüner Hardware: Die Surf-Szene sucht nach Boards, die sich gut fahren – und weniger Mist hinterlassen.

Surfen wirkt nach Natur. Das klassische Surfboard selbst ist aber oft alles andere als natürlich.

Surfen fühlt sich nach Freiheit an: salziges Wasser, Sonne im Gesicht, Barfuß-Vibes. Und gleichzeitig ist es ein bisschen absurd, womit die meisten Boards gebaut werden: Schaumkerne aus petrochemischer Chemie, Glasfaser, Polyesterharz – Materialien, die in der Werkstatt gesundheitlich problematisch sein können und am Ende schwer bis gar nicht zu recyceln sind.

Genau diese Paradoxie sprechen auch Boardbuilder offen an. Eine Szene, die so stark von Natur, Wasser, Küsten und Wetter lebt, muss sich zwangsläufig fragen, wie zukunftsfähig ihre Materialien eigentlich sind.

Die gute Nachricht: In der Surf-Szene passiert gerade richtig viel. Und Hanf spielt dabei eine überraschend große Rolle. Nicht als Hype-Faser, sondern als ernstzunehmendes Material für Performance und Nachhaltigkeit – von Hemp-Laminaten über Bio-Harze bis hin zu Finnen mit Hanf-Basis.

Die neue Eco-Wave im Überblick

Hanf- und Naturfasern
Pflanzenbasierte Verstärkungen können Glasfaser teilweise ersetzen oder ergänzen – mit spannenden Eigenschaften bei Flex und Dämpfung.

Bio-basierte Harze
Harzsysteme mit biobasiertem Anteil reduzieren den petrochemischen Anteil und können den Footprint des Boards deutlich beeinflussen.

Recycling-Kerne
Schaumkerne mit Recycling-Anteil oder smarterem Materialeinsatz machen den größten Volumenanteil des Boards nachhaltiger.

Eco-Fins & Hardware
Auch Finnen, Inserts und Zubehör werden grüner – etwa mit Hanf, Kork, Bambus oder bio-basierten Composites.

Längere Lebensdauer
Nachhaltigkeit endet nicht beim Material. Ein Board, das lange hält und gern gefahren wird, ist oft die bessere Entscheidung.

Warum das klassische Surfboard ein Umwelt-Problem ist

Ein modernes Standard-Board ist meistens ähnlich aufgebaut: Schaumkern aus PU oder EPS, Faserverstärkung aus Glasfaser und ein Harzsystem aus Polyester oder Epoxy. Das ist leicht, stabil und seit Jahrzehnten eingespielt – aber ökologisch und gesundheitlich nicht gerade sweet.

Gerade beim Laminieren und Schleifen entstehen Dämpfe und Stäube. Dazu kommt am Ende ein Produkt, das kaum kreislauffähig ist. Ein kaputtes Board lässt sich oft reparieren, aber selten wirklich sauber recyceln.

Und genau da setzt die neue Eco-Wave an: weniger Toxic-Vibes in der Produktion, mehr erneuerbare Materialien, mehr Recycling-Anteile – ohne dass sich das Board anfühlt wie ein nasser Pappkarton.

Die spannendste Entwicklung im Boardbau ist nicht nur grüner. Sie ist technischer, bewusster und oft näher an echter Performance, als viele denken.

Was Hanf im Surfboard wirklich bringt

Hanf im Surfboard klingt erstmal nach Öko-Story. Tatsächlich ist das Material viel interessanter. Denn Hanf ist nicht nur schnell nachwachsend, sondern als Faser auch robust, belastbar und im Verbund mit Harzen technisch spannend.

Material-Check

Hanf im Boardbau

Hanf als Faser
Hanf kann als Textilfaser im Boardbau eingesetzt werden – ähnlich wie Glasfasergewebe, nur pflanzenbasiert. Einige Hersteller laminieren ihre Boards gezielt mit Hemp-Skins oder Hemp-Fabric als Verstärkung.

Hanf im Composite
In Verbindung mit Harz entsteht ein Verbundmaterial. Entscheidend ist dabei nicht nur die Faser selbst, sondern auch Webart, Harzaufnahme, Verarbeitung und Layup.

Hanf als Charakter
Richtig eingesetzt kann Hanf Stabilität, Dämpfung und ein anderes Fahrgefühl bringen. Nicht als Ersatz für jedes Material, sondern als bewusste Komponente im Aufbau.

Wichtig ist: Eine Naturfaser wird nicht automatisch besser als Glasfaser in jeder Disziplin. Aber sie kann – clever verarbeitet – einen richtig guten Mix liefern: solide Stabilität, angenehme Flex-Charakteristik und ein anderes Fahrgefühl.

Vibration-Damping: weniger Chatter, mehr Flow

Naturfasern wie Hanf und Flachs haben in Composites häufig eine höhere Schwingungsdämpfung als klassische synthetische Fasern. Für Sportgeräte – und ja, Surfboards zählen absolut dazu – ist genau das interessant.

Übersetzt ins Lineup: Das Board kann sich ruhiger anfühlen, besonders wenn es kabbelig wird. Weniger Chatter, mehr Kontrolle, mehr Flow.

Hanf ist nicht nur eine Nachhaltigkeitsentscheidung. In Composites kann die Faser auch das Fahrgefühl verändern.

Hanf vs. Flachs: Warum du so oft Flax liest

Wenn du dich zu Eco-Boards einliest, taucht Flachs – also Linen oder Flax – extrem oft auf. Der Grund ist pragmatisch: Flachs ist in gleichbleibender Composite-Qualität breit verfügbar, während Hanf je nach Lieferkette und Qualität stärker schwanken kann.

Ein Composite-Spezialist bringt es sinngemäß so auf den Punkt: Hanf hat Potenzial, aber Standard-Hanf-Fasern aus Massenproduktion schlagen Standard-Flachs nicht immer – zumindest nicht ohne spezielle Aufbereitung.

Heißt aber nicht: Hanf ist raus. Eher: Hanf ist ein Material, das man bewusst auswählen muss – und das gerade deshalb spannend bleibt.

Kurz gesagt

Hanf und Flachs im Vergleich

Flachs
Sehr etabliert im Naturfaser-Composite, gut verfügbar, oft gleichmäßiger in industrieller Qualität.

Hanf
Sehr spannend, robust, schnell nachwachsend und kulturell stark aufgeladen – aber stärker abhängig von Faserqualität, Verarbeitung und Lieferkette.

Eco-Upgrade #1: Bio-basierte Harze

Selbst wenn du mit Hanf laminierst: Wenn du dafür ein klassisches Harz nimmst, bleibt ein großer Teil der Umweltlast bestehen. Deshalb pushen viele Eco-Konzepte bio-basierte Epoxy-Systeme.

Ein großer Name in dem Feld sind Entropy Resins und Super Sap. Die Marke betont biobasierte, zertifizierbare Inhalte und arbeitet mit Lebenszyklus-Analysen, um den Impact messbar zu machen. Solche Harze werden auch konkret im Surfboard-Kontext genutzt und diskutiert.

Wichtig ist dieser Punkt, weil viele beim Thema Nachhaltigkeit nur auf den Stoff schauen. Dabei ist das Harz oft der Gamechanger für Toxizität, Emissionen und Footprint.

Beim Eco-Board entscheidet nicht nur die Faser. Das Harz ist oft die halbe Miete.

Eco-Upgrade #2: Kerne, Recycling-Anteile und smarter Schaum

Der Kern ist das Volumen, das du paddelst – und gleichzeitig ein riesiger Anteil am Materialeinsatz. Viele Eco-Ansätze setzen deshalb auf recycelte oder anteilig recycelte Schäume, verbesserte EPS-Kerne und alternative experimentelle Materialsysteme.

Ein Beispiel, wie konkret das aussehen kann, zeigt Notox aus dem Baskenland: Bei einer ihrer Eco-Konstruktionen wird unter anderem ein Schaumkern mit Recyclinganteil und ein Harz mit Pflanzenanteil beschrieben.

Eco-Konstruktionen

Worauf nachhaltigere Boards oft setzen

Recycling-Anteile
Etwa bei EPS- oder Schaumkernen, um Neuware zu reduzieren.

Bio-basierte Harze
Um petrochemische Bestandteile und Emissionen zu reduzieren.

Naturfasern
Hanf, Flachs oder andere Fasern als Teil des Laminats oder bestimmter Verstärkungszonen.

Case Study: Notox und der Weg von Eco zu Big-Wave-tauglich

Viele denken bei nachhaltigen Boards zuerst an soft, gemütlich und vielleicht für kleine Wellen. Aber das stimmt so nicht mehr. Notox ist ein gutes Beispiel, wie Eco-Materialien längst in High-Performance-Kontexte gehen – bis hin zu Boards, die bei richtig heftigen Bedingungen auftauchen.

2024 wurde über Tow-In-Boards berichtet, die für Nazaré und Big-Wave-Competition gebaut wurden und dabei nachhaltigere Materialkombinationen nutzen.

Spannend ist auch der Material-Mix: Naturfaser, bei Notox häufig Flachs oder Linen, dazu bio-basierte Harze und teils Recycling- oder Upcycling-Anteile. Also nicht dogmatisch 100 Prozent Pflanze, sondern Performance-first mit Impact-Reduktion.

Nachhaltig bedeutet im modernen Boardbau nicht weniger Performance. Es bedeutet bessere Entscheidungen bei jedem Bauteil.

Hanf ist nicht nur fürs Deck: Finnen und Hardware werden auch grüner

Wenn wir ehrlich sind: Viele Eco Boards werden gefeiert – und dann schraubt man Finnen darunter, die wieder komplett Standard sind. Auch da bewegt sich etwas.

Es gibt Finnen-Serien, die mit Hanf-Basis, Kork-Kern und Bambus-Tip arbeiten. Klingt nach Pinterest, ist aber ziemlich logisch: Hanf gibt Stabilität, Kork spart Gewicht, Bambus steuert Flex.

Auch Fachmedien haben bio-komposite Finnen als Entwicklungsfeld beschrieben, weil Steifigkeit, Gewicht und Performance eben passen müssen. Nachhaltigkeit funktioniert hier nur, wenn das Material im Wasser überzeugt.

Hardware-Check

Warum Zubehör wichtig ist

Board
Kern, Laminat, Harz und Finish bestimmen den größten Teil des Materialeinsatzes.

Finnen & Zubehör
Erst wenn auch Hardware grüner gedacht wird, wird aus einem Eco-Board ein wirklich stimmigeres Materialsystem.

Die Zertifizierungs-Ecke: ECOBOARD als Reality Check

Wenn du nicht jedes Datenblatt selber lesen willst, ist der ECOBOARD Project-Rahmen von Sustainable Surf in der Surf-Welt ein bekanntes Orientierungssystem. Dabei geht es nicht um wir sind grün, trust us, sondern um definierte Kriterien.

Dazu gehören zum Beispiel Harze mit biobasiertem Anteil und niedrigen VOCs, Kernmaterial mit Recycling- oder plant-based Anteilen, Nachweise, Transparenz und teilweise Bezüge zu Lebenszyklus-Analysen.

Viele Brands kommunizieren ECOBOARD-Level wie Gold als Signal: Wir erfüllen definierte Mindeststandards, nicht nur Marketing.

Reality Check

ECOBOARD kann helfen bei:

Materialtransparenz
Welche Harze, Kerne und Fasern werden tatsächlich eingesetzt?

Mindeststandards
Welche Kriterien muss ein Board erfüllen, um als umweltbewusster zu gelten?

Greenwashing-Check
Zertifizierungen ersetzen keine eigene Prüfung, geben aber bessere Orientierung als reine Marketing-Versprechen.

Future Stuff: Kann man ein Surfboard züchten?

Jetzt wird es wild – aber auf die gute Art: An der TU Dänemark wurde 2018 über ein Team berichtet, das Hanf-Fasern und Pilzmyzel nutzt, um ein biologisch abbaubares Board im Mold zu growen.

Die Idee: Myzel wächst als natürliches Bindemittel, Hanf liefert Struktur. Ist das schon Mainstream? Nein. Aber es zeigt, wohin die Reise geht: weg von reinen Petro-Materialien, hin zu Materialsystemen, die Kreislauf wirklich ernst nehmen.

Die Zukunft des Surfboards könnte weniger nach Chemiefabrik riechen – und mehr nach Materialsystemen, die wachsen, dämpfen, halten und irgendwann wieder verschwinden.

Worauf du beim Kauf achten kannst

Du musst kein Materialwissenschaftler sein, um bessere Entscheidungen zu treffen. Ein paar Fragen reichen oft schon, um echtes Eco-Denken von grüner Oberfläche zu unterscheiden.

Kauf-Check

Eco-Check für Surfboards

1. Frag nach dem Laminat
Wird Hanf oder Flachs im Gewebe genutzt? Oder ist nur ein Eco-Label drauf?

2. Harz-Info checken
Bio-based Epoxy? Low-VOC? Zertifizierungen? Entropy/Super Sap ist ein häufig genannter Player im Bereich bio-basierter Epoxies.

3. Kern und Recycling-Anteile
Recycelter EPS? Alternative Kerne? Je transparenter, desto besser.

4. Zertifikate als Shortcut
ECOBOARD-Kriterien geben dir eine Art Mindeststandard.

5. Lebensdauer mitdenken
Ein Board, das du liebst und lange fährst, ist oft grüner als eins, das nach einer Saison ersetzt wird.

Für DIY-Crews und Shaper-Nerds

Hanf-Gewebe kann sich beim Laminieren anders verhalten als Glasfaser. Harzaufnahme, Handling und Finish können anspruchsvoller sein. In der Boardbuilder-Community wird das seit Jahren diskutiert – oft als Hybrid-Layup aus Hanf und Glas oder an bestimmten Zonen, etwa bei Deck-Patches.

Wenn ein Shop Zubehör anbietet, entstehen genau hier interessante Produktwelten: Hemp-Fabric, bio-based Harze, Eco-Fins, Schutz-Equipment und Repair-Kits.

Nachhaltigkeit heißt nicht weniger Performance. Sie heißt bessere Entscheidungen bei jedem Bauteil.

Hanf ist im Boardbau nicht Plug & Play. Aber genau dort, wo Material bewusst eingesetzt wird, wird es spannend.

Fazit: Hanf ist kein Gimmick

Die Surf-Industrie ist gerade in einer Phase, in der sich Style und Science treffen. Naturfasern bringen neue Fahreigenschaften, Bio-Harze reduzieren Toxizität und Footprint, Recycling-Anteile machen Kerne smarter – und einzelne Projekte denken sogar in komplett biologisch abbaubaren Strukturen.

Hanf ist dabei nicht der einzige Held, aber ein ziemlich starker Charakter im Cast. Er steht für eine neue Art, Material zu denken: nicht als grüne Dekoration, sondern als Teil eines Boards, das Performance, Ästhetik und Verantwortung besser zusammenbringt.

Hanf ist kein Surf-Gimmick, sondern Teil einer echten Material-Revolution. Ein Board, das sich gut anfühlt, lange hält und weniger Mist hinterlässt, ist am Ende einfach die bessere Love Story.

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