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Nährstoffe bei Cannabis – warum gute Versorgung mehr ist als nur Dünger

Cannabis Lexikon

Cannabis braucht weder möglichst wenig noch möglichst viel Dünger. Entscheidend sind Menge, Verhältnis, Entwicklungsphase und ein Wurzelmilieu, in dem die vorhandenen Mineralstoffe tatsächlich aufgenommen werden können.

Nährstoffe bei Cannabis

Makro- und Mikronährstoffe, NPK, CalMag, pH und EC: Wie Cannabis mineralisch versorgt wird, warum mehr Dünger nicht automatisch mehr Ertrag bedeutet und weshalb Blattbilder allein selten für eine Diagnose reichen.

Definition

Nährstoffe sind mineralische Elemente, die Cannabis für Wachstum, Photosynthese, Zellaufbau, Wasserhaushalt, Stoffwechsel und Fortpflanzung benötigt. Ihre Wirkung hängt nicht nur von der absoluten Menge ab, sondern auch von Verfügbarkeit, Verhältnis, Wurzelzone und Entwicklungsstadium.

Makronährstoffe

N, P, K sowie Ca, Mg und S werden in vergleichsweise größeren Mengen benötigt.

Mikronährstoffe

Fe, Mn, Zn, Cu, B und Mo werden nur in kleinen Mengen benötigt – bleiben aber essenziell.

pH & EC

pH beeinflusst Verfügbarkeit; EC beschreibt die Leitfähigkeit und damit indirekt die Gesamtmenge gelöster Ionen.

In diesem Beitrag

  • Stickstoff – N
  • Phosphor – P
  • Kalium – K
  • Calcium – Ca
  • Magnesium – Mg
  • Schwefel – S
  • Mikronährstoffe
  • Nährstoffe in der Vegetationsphase
  • Nährstoffe in der Blütephase
  • Der PK-Booster-Mythos
  • Nährstoffe beeinflussen sich gegenseitig
  • pH – Nährstoffe müssen verfügbar sein
  • EC – was der Wert wirklich sagt
  • Was bedeutet Nutrient Burn?
  • Wasserqualität wird oft unterschätzt
  • Leitungswasser und CalMag
  • Organisch oder mineralisch?
  • Living Soil
  • Drain richtig lesen
  • Nährstoffaufnahme hängt auch vom Klima ab
  • Nährstoffbedarf ist genotypabhängig
  • Nährstoffe und Cannabinoide
  • Nährstoffe und Terpene
  • Ein sinnvoller Diagnoseablauf
  • Häufige Fehler bei der Cannabis-Ernährung
  • FAQ – Häufige Fragen zu Nährstoffen bei Cannabis
  • Fazit

Merksatz

Nährstoffprobleme entstehen nicht nur durch zu wenig eines Elements. Überversorgung, ungünstige Verhältnisse, pH, Salzbelastung, Wasserqualität und Wurzelstress können sehr ähnliche Symptome erzeugen.

Nährstoffe bei Cannabis gehören zu den Grundlagen einer gesunden Pflanzenentwicklung. Stickstoff, Phosphor, Kalium, Calcium, Magnesium und zahlreiche Spurenelemente sind an Photosynthese, Zellteilung, Wasserhaushalt, Wurzelentwicklung und vielen weiteren Stoffwechselprozessen beteiligt.

Entscheidend ist dabei nicht einfach, möglichst viel Dünger zur Verfügung zu stellen.

Cannabis reagiert sowohl auf Mangel als auch auf Überversorgung und ungünstige Nährstoffverhältnisse. Kontrollierte Studien zeigen beispielsweise, dass zu wenig Stickstoff Wachstum und Photosynthese deutlich einschränkt, während hohe N-Gaben oberhalb des jeweiligen Optimums ebenfalls Wachstum und physiologische Leistung reduzieren können. Auch zwischen einzelnen Mineralstoffen bestehen Wechselwirkungen: Hohe Konzentrationen von Kalium oder Magnesium können beispielsweise die Aufnahme anderer Kationen beeinflussen.

Eine gute Nährstoffversorgung bedeutet deshalb vor allem:

die richtige Menge, im richtigen Verhältnis, im passenden Wurzelmilieu und zum jeweiligen Entwicklungsstadium der Pflanze.

Welche Nährstoffe braucht Cannabis?

Cannabis benötigt wie andere höhere Pflanzen eine Reihe essenzieller Mineralstoffe.

Sie werden üblicherweise nach der benötigten Menge unterteilt.

Primäre Makronährstoffe

  • Stickstoff – N
  • Phosphor – P
  • Kalium – K

Sekundäre Makronährstoffe

  • Calcium – Ca
  • Magnesium – Mg
  • Schwefel – S

Mikronährstoffe

Dazu gehören unter anderem:

  • Eisen – Fe
  • Mangan – Mn
  • Zink – Zn
  • Kupfer – Cu
  • Bor – B
  • Molybdän – Mo

Auch wenn Mikronährstoffe nur in kleinen Mengen benötigt werden, sind sie nicht weniger essenziell. Kontrollierte Cannabisversuche mit gezielt ausgelassenen Einzelmineralstoffen zeigten bei N, P, K, Ca, Mg, S und weiteren Elementen charakteristische Störungen. Bei fast allen getesteten Mangelbehandlungen sank zudem der Blütenertrag deutlich.

Mikro bedeutet also geringe benötigte Menge – nicht geringe Bedeutung.

NPK – warum diese drei Buchstaben überall stehen

Auf fast jedem Dünger findet sich eine NPK-Angabe.

Sie steht für:

N = Stickstoff P = Phosphor K = Kalium

Diese drei Elemente werden von Pflanzen in vergleichsweise großen Mengen benötigt und beeinflussen zahlreiche zentrale Prozesse.

NPK sollte trotzdem nicht als komplette Pflanzenernährung verstanden werden.

Eine Nährlösung mit ausreichend Stickstoff, Phosphor und Kalium kann trotzdem Probleme entwickeln, wenn beispielsweise:

  • Calcium fehlt
  • Magnesium zu niedrig ist
  • Eisen nicht verfügbar ist
  • der pH ungeeignet ist
  • die Salzkonzentration zu hoch ist

Mehr dazu gehört zu Makronährstoffe, Mikronährstoffe, pH-Wert und EC-Wert.

Stickstoff – N

Stickstoff gehört zu den wichtigsten Nährstoffen für Cannabis.

Er ist Bestandteil unter anderem von:

  • Aminosäuren
  • Proteinen
  • Nukleinsäuren
  • Chlorophyll
  • zahlreichen Enzymen

Damit ist Stickstoff eng mit Photosynthese, Blattentwicklung und Pflanzenwachstum verbunden.

Eine kontrollierte Studie untersuchte Cannabis unter 30, 80, 160, 240 und 320 mg/L Stickstoff während der vegetativen Phase. Bei 30 mg/L sank die Pflanzenbiomasse gegenüber dem Optimum um rund 75 Prozent und die Photosyntheserate um etwa 25 Prozent. Die beste physiologische Entwicklung wurde in diesem Versuch bei ungefähr 160 mg/L N beobachtet. Oberhalb davon entstanden wiederum Einschränkungen.

Das ist ein schönes Beispiel für das Grundprinzip der Pflanzenernährung:

Zu wenig ist schlecht – zu viel kann ebenfalls schlecht sein.

Wie sieht Stickstoffmangel aus?

Da Stickstoff innerhalb der Pflanze relativ mobil ist, können Mangelsymptome zunächst an älteren Blättern sichtbar werden.

Typisch können sein:

  • zunehmend hellgrüne Blätter
  • gleichmäßige Vergilbung älterer Blätter
  • schwächeres Wachstum
  • geringere Blattentwicklung
  • reduzierte Seitentriebbildung

In kontrollierten Cannabis-Mangelversuchen führte N-Defizienz zu besonders starken Wachstumsverlusten.

Trotzdem gilt:

Ein gelbes Blatt beweist keinen Stickstoffmangel.

Wurzelprobleme, pH-Störungen, natürliche Seneszenz und andere Stressfaktoren können ähnlich aussehen.

Phosphor – P

Phosphor besitzt wichtige Funktionen bei:

  • Energieübertragung
  • ATP
  • Nukleinsäuren
  • Membranbestandteilen
  • Zellteilung
  • Wurzel- und Pflanzenentwicklung

Gerade beim Cannabis-Anbau existiert seit Jahrzehnten die Vorstellung, dass in der Blüte extrem viel Phosphor benötigt werde.

Aktuelle Cannabisforschung relativiert diese Annahme deutlich.

In einem Versuch zur vegetativen Phase wurden 5 bis 90 mg/L P verglichen. Die Pflanzen entwickelten sich bei etwa 30 mg/L P sehr gut; höhere Konzentrationen verbesserten die vegetative Leistung nicht automatisch. Übermäßige P-Versorgung beeinflusste zudem die Aufnahme und Verteilung anderer Mineralstoffe.

Eine weitere Studie während der Blüte fand ein modelliertes Ertragsoptimum von ungefähr 59 mg/L P. Der günstige Bereich lag dort ungefähr zwischen 40 und 80 mg/L.

Das spricht deutlich gegen die Vorstellung:

Je mehr Phosphor in der Blüte, desto größer die Blüten.

Zu viel Phosphor ist nicht harmlos

Überhöhte Phosphorgaben können mehrere Probleme verursachen.

In Cannabisstudien wurden unter anderem Veränderungen bei:

  • Magnesium
  • Calcium
  • Zink
  • Nährstofftranslokation

beobachtet.

Hinzu kommt ein ökologischer Aspekt: Überschüssiger Phosphor wird nicht automatisch von der Pflanze aufgenommen. Untersuchungen an Cannabis zeigten, dass erhöhte P-Versorgung den Phosphoraustrag über Drain beziehungsweise Leachate deutlich erhöhen kann, ohne entsprechend Ertrag oder Qualität zu verbessern.

Ein starker PK-Booster ist deshalb nicht automatisch Zeichen einer besseren Blüteversorgung.

Kalium – K

Kalium erfüllt eine andere Rolle als Stickstoff oder Phosphor.

Es ist unter anderem beteiligt an:

  • Regulation des Wasserhaushalts
  • stomatärer Funktion
  • Enzymaktivität
  • osmotischer Regulation
  • Kohlenhydrattransport
  • Stressreaktionen

Kalium ist deshalb für eine gesunde Pflanze unverzichtbar.

Aber auch hier gilt:

Mehr ist nicht automatisch besser.

Cannabisversuche in der vegetativen Phase zeigten bei sehr niedrigen K-Konzentrationen deutliche Wachstumsprobleme. Gleichzeitig führte eine steigende Versorgung oberhalb eines ausreichenden Bereichs nicht unbegrenzt zu zusätzlicher Biomasse.

Noch deutlicher wurde das in einer Blütestudie: Zwischen 60 und 340 mg/L K zeigte sich dort kein signifikanter Einfluss auf den Blütenertrag.

Das ist bemerkenswert, weil manche kommerziellen Bloom-Dünger wesentlich höhere Kaliumkonzentrationen propagieren.

Kalium kann Calcium und Magnesium beeinflussen

K, Ca und Mg sind positiv geladene Kationen und können sich bei der Aufnahme gegenseitig beeinflussen.

Cannabisstudien zeigten beispielsweise, dass steigende Kaliumversorgung mit sinkenden Calcium- und Magnesiumkonzentrationen im Blattgewebe verbunden sein kann.

Das bedeutet nicht:

Kalium verursacht automatisch CalMag-Mangel.

Es bedeutet:

Nährstoffe existieren nicht unabhängig voneinander.

Ein Problem kann deshalb entstehen, obwohl auf dem Papier von jedem Element ausreichend vorhanden ist.

Calcium – Ca

Calcium gehört zu den sekundären Makronährstoffen.

Es spielt unter anderem eine wichtige Rolle bei:

  • Zellwandstruktur
  • Membranstabilität
  • Zellteilung
  • Signalprozessen
  • Entwicklung jungen Gewebes

Calcium besitzt innerhalb der Pflanze eine relativ eingeschränkte Remobilisierbarkeit. Probleme werden deshalb häufig zuerst an aktiv wachsendem, jungem Gewebe sichtbar.

Cannabis-Mangelversuche beschreiben bei Ca-Defizienz deutliche Entwicklungsstörungen, und Untersuchungen zur Mineralstoffdynamik zeigen, dass Calciumaufnahme und -verteilung stark vom Entwicklungsstadium abhängen.

Calcium ist mehr als „CalMag“

Im Grow-Alltag werden Calcium und Magnesium häufig gemeinsam unter CalMag zusammengefasst.

Chemisch und physiologisch sind es aber zwei unterschiedliche Nährstoffe.

Eine Pflanze kann:

  • ausreichend Mg und zu wenig Ca
  • ausreichend Ca und zu wenig Mg
  • von beiden genug im Wasser, aber ungünstige Aufnahmebedingungen

haben.

Deshalb ist „mehr CalMag“ nicht automatisch die richtige Antwort auf jede Fleckenbildung.

Magnesium – Mg

Magnesium ist unter anderem Zentralatom des Chlorophyllmoleküls.

Damit besitzt es eine unmittelbare Verbindung zu Chlorophyll und Photosynthese.

Cannabis reagiert deutlich auf Mg-Unterversorgung.

In einer kontrollierten Studie wurden 2, 20, 35, 70 und 140 mg/L Magnesium während der vegetativen Phase verglichen. Bei nur 2 mg/L entstanden typische Mangelsymptome, reduzierte Photosynthese und rund 28 Prozent weniger Biomasse gegenüber einer optimal versorgten Behandlung. Als günstiger Bereich wurden unter den dortigen Bedingungen ungefähr 35–70 mg/L Mg angegeben.

Wie sieht Magnesiummangel aus?

Da Magnesium innerhalb der Pflanze mobil ist, beginnen Symptome typischerweise an älteren Blättern.

Ein klassisches Bild ist:

Interkostalchlorose

Dabei werden Bereiche zwischen den Blattadern heller, während die Adern zunächst grüner bleiben können.

Bei fortschreitendem Mangel können zusätzlich auftreten:

  • stärkere Chlorose
  • Nekrosen
  • Blattabbau
  • reduzierte Photosynthese
  • Wachstumsverlust

Das Muster ist hilfreich, aber auch hier kein alleiniger Beweis.

Zu viel Magnesium kann ebenfalls stören

Die gleiche Cannabisstudie zeigte einen weiteren wichtigen Punkt:

Mit zunehmender Mg-Versorgung gingen Aufnahme und Translokation von Calcium und Kalium zurück.

Damit kann selbst ein grundsätzlich essenzieller Mineralstoff bei unnötig hoher Dosierung das Gleichgewicht anderer Nährstoffe beeinflussen.

Genau deshalb ist die Vorstellung problematisch, bei jedem unbekannten Problem einfach mehr CalMag hinzuzugeben.

Schwefel – S

Schwefel wird unter anderem für schwefelhaltige Aminosäuren, Proteine und zahlreiche Stoffwechselprozesse benötigt.

Obwohl Cannabis Schwefel in geringerer Menge als N, P oder K benötigt, gehört S weiterhin zu den Makronährstoffen.

Kontrollierte Mangelversuche bei Cannabis zeigen auch für Schwefel typische Blatt- und Wachstumsveränderungen. Ein ausgeprägter Mangel kann außerdem den Blütenertrag reduzieren.

Da manche Dünger Schwefel beispielsweise über Sulfatquellen zusammen mit Magnesium oder anderen Mineralstoffen liefern, wird S im Grow-Alltag häufig weniger bewusst wahrgenommen.

Mikronährstoffe

Die Mikronährstoffe werden nur in kleinen Mengen benötigt.

Dazu gehören insbesondere:

Eisen – Fe

Wichtig für verschiedene Redoxsysteme, Enzyme und die Chlorophyllbildung beziehungsweise deren Stoffwechselumfeld.

Mangan – Mn

Beteiligt unter anderem an Photosynthese und enzymatischen Prozessen.

Zink – Zn

Relevant für zahlreiche Enzyme und Wachstumsprozesse.

Kupfer – Cu

Wird für verschiedene Redoxenzyme und Stoffwechselwege benötigt.

Bor – B

Spielt unter anderem eine Rolle bei Zellwand- und Gewebeentwicklung.

Molybdän – Mo

Wird in sehr kleinen Mengen für bestimmte Enzyme des Stickstoffstoffwechsels benötigt.

Mikronährstoffe zeigen besonders gut, warum „mehr“ eine schlechte Strategie ist.

Zwischen Mangel und Überschuss liegt bei manchen Spurenelementen ein relativ enger Bereich.

Nährstoffmangel oder Lockout?

Im Grow wird schnell von Nährstoffmangel gesprochen.

Dabei können zwei grundsätzlich unterschiedliche Situationen vorliegen.

Tatsächlicher Mangel

Im Wurzelraum ist zu wenig eines bestimmten Nährstoffs vorhanden.

Nutrient Lockout

Ein Mineralstoff ist vorhanden, kann aber aufgrund des Wurzelmilieus beziehungsweise anderer chemischer oder physiologischer Faktoren nicht ausreichend aufgenommen oder genutzt werden.

Ursachen können beispielsweise sein:

  • ungeeigneter pH
  • sehr hohe Salzkonzentration
  • ungünstige Nährstoffverhältnisse
  • Wurzelschäden
  • Sauerstoffmangel
  • schlechte Wasserqualität

Deshalb ist es gefährlich, allein anhand eines Blattfotos direkt einen Dünger nachzugießen.

Warum Blattdiagnosen schwierig sind

Cannabis-Mangelstudien zeigen typische Symptomverläufe.

Das ist hilfreich.

Gleichzeitig zeigte eine kontrollierte Untersuchung mit Einzelmängeln, dass der Zeitpunkt sichtbarer Symptome nicht immer eindeutig mit der gemessenen Mineralstoffkonzentration im Blatt übereinstimmte. Es wird deshalb ausdrücklich eine integrierte Diagnose statt reiner visueller Interpretation empfohlen.

Ein brauner Fleck bedeutet eben nicht automatisch:

Calcium.

Ein gelbes Blatt bedeutet nicht automatisch:

Stickstoff.

Und violette Blattbereiche bedeuten nicht automatisch:

Phosphor.

Zu einer sinnvollen Diagnose gehören zusätzlich:

  • Position des Symptoms
  • junges oder altes Blatt
  • Entwicklungsgeschwindigkeit
  • pH
  • EC
  • Drain
  • Wurzelzustand
  • Bewässerung
  • Temperatur
  • Genetik

Mobile und weniger mobile Nährstoffe

Ein hilfreiches Diagnoseprinzip ist die Beweglichkeit eines Elements innerhalb der Pflanze.

Relativ mobile Elemente können aus älterem Gewebe in jüngeres verlagert werden.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Stickstoff
  • Magnesium
  • Kalium
  • Phosphor

Mangelsymptome werden deshalb häufig zunächst an älterem Gewebe sichtbar.

Weniger mobile Elemente wie Calcium können dagegen schneller Probleme im jüngeren Pflanzengewebe zeigen.

Dieses Prinzip ist hilfreicher als einfache Bildtabellen, ersetzt aber ebenfalls keine vollständige Diagnose.

Nährstoffe in der Vegetationsphase

Während der Vegetationsphase baut Cannabis:

  • Blätter
  • Triebe
  • Wurzeln
  • Seitentriebe
  • Pflanzenarchitektur

auf.

Stickstoff besitzt in dieser Phase eine hohe Bedeutung.

Eine 2024 veröffentlichte Response-Surface-Studie untersuchte Kombinationen verschiedener N-, P- und K-Konzentrationen in hydroponisch kultiviertem Cannabis. Unter den Bedingungen dieses Experiments wurden ungefähr:

160–200 mg/L N 30 mg/L P 60 mg/L K

als günstige Kombination hinsichtlich Wachstum und Nährstoffnutzung identifiziert.

Diese Werte sollten allerdings nicht als universelles Düngerezept verwendet werden.

Sie stammen aus einem konkreten:

  • Genotyp
  • hydroponischen System
  • Klima
  • Lichtsetup
  • Versuch

Andere Cannabisstudien fanden beispielsweise für isolierte K-Versuche höhere günstige Konzentrationen.

Gerade dieser Unterschied zeigt:

Nährstoffbedarf ist system- und genotypabhängig.

Nährstoffe in der Blütephase

Die klassische Grow-Regel lautet häufig:

In der Blüte Stickstoff stark reduzieren und massiv Phosphor und Kalium erhöhen.

Wissenschaftlich ist das zu einfach.

Eine Response-Surface-Studie zur Cannabisblüte untersuchte:

  • 70–290 mg/L N
  • 20–100 mg/L P
  • 60–340 mg/L K

Das modellierte Maximum des Blütenertrags lag bei ungefähr:

194 mg/L N 59 mg/L P

Für Kalium konnte innerhalb des gesamten getesteten Bereichs kein signifikanter Ertragseffekt festgestellt werden.

Besonders bemerkenswert:

Der günstigste Stickstoffbereich lag ungefähr zwischen 160 und 230 mg/L.

Stickstoff wird also nicht plötzlich unwichtig, sobald Cannabis Blüten entwickelt.

Braucht Cannabis in der Blüte mehr PK?

Die korrektere Antwort lautet:

Der Nährstoffbedarf verändert sich während der Entwicklung – aber nicht nach der simplen Regel „N weg, PK hoch“.

Eine Untersuchung der Mineralstoffaufnahme über den gesamten Entwicklungszyklus zeigte, dass sich Aufnahme und Verteilung der einzelnen Elemente während vegetativer und reproduktiver Entwicklung unterschiedlich verändern. Die Einlagerungsraten von N, P und K nahmen während Teilen der reproduktiven Entwicklung sogar weiter zu, während Calcium und Magnesium andere zeitliche Muster zeigten.

Das bedeutet:

Die Pflanze verändert ihre Nährstoffdynamik.

Das ist etwas anderes als die Marketinglogik vieler Bloom-Booster.

Der PK-Booster-Mythos

Viele Blütedünger werben mit besonders hohen Konzentrationen von Phosphor und Kalium.

Die zugrunde liegende Erzählung lautet häufig:

mehr P + mehr K = mehr Blüte

Für Cannabis gibt es dafür keine allgemeine wissenschaftliche Grundlage.

Beim Phosphor zeigte sich ein Optimum, oberhalb dessen keine weitere Ertragssteigerung entstand.

Beim Kalium führte eine Steigerung von 60 bis 340 mg/L in einer kontrollierten Blütestudie zu keinem signifikanten Mehrertrag.

PK ist also wichtig.

Extremes PK ist etwas anderes.

Nährstoffe beeinflussen sich gegenseitig

Eine Nährlösung sollte nicht als Liste unabhängiger Mineralstoffe verstanden werden.

Zwischen verschiedenen Ionen entstehen Wechselwirkungen.

Cannabisstudien dokumentieren beispielsweise:

mehr K → teilweise weniger Ca und Mg im Blatt mehr Mg → geringere Ca- und K-Aufnahme beziehungsweise Translokation verändertes P → Veränderungen bei Mg, Ca und anderen Elementen

Daraus entsteht ein zentraler Grundsatz:

Die richtige Menge eines einzelnen Nährstoffs kann trotzdem falsch sein, wenn das Verhältnis zum Rest der Lösung nicht stimmt.

pH – Nährstoffe müssen verfügbar sein

Der pH-Wert beeinflusst die chemische Verfügbarkeit verschiedener Mineralstoffe im Wurzelraum.

Bei hydroponischen beziehungsweise soilless Systemen werden Nährlösungen typischerweise leicht sauer geführt.

Oklahoma State University nennt für allgemeine hydroponische Nährlösungen einen Bereich von ungefähr pH 5,0–6,0, häufig rund um 5,5. Cannabisstudien mit soilless Fertigation arbeiten ebenfalls häufig ungefähr bei pH 5,8.

Für Bodenkultur gelten andere Bedingungen.

Extension-Empfehlungen für Hanf nennen für gut drainierte Böden ungefähr pH 6,0–7,0 als günstigen Bereich.

Deshalb ist die Aussage:

Cannabis braucht pH 6,0

ohne Angabe des Mediums wenig sinnvoll.

Warum pH Probleme wie Mängel aussehen lässt

Ist der pH deutlich außerhalb eines geeigneten Bereichs, können bestimmte Nährstoffe schlechter verfügbar werden oder sich chemisch verändern.

Das kann aussehen wie:

  • Eisenmangel
  • Magnesiumproblem
  • Phosphormangel
  • Mikronährstoffmangel

obwohl theoretisch ausreichend Dünger vorhanden ist.

In solchen Situationen mehr Dünger hinzuzugeben kann das Problem sogar verstärken.

Mehr dazu gehört zu Nutrient Lockout.

EC – was der Wert wirklich sagt

EC steht für Electrical Conductivity, also elektrische Leitfähigkeit.

Gelöste Mineralsalze zerfallen im Wasser in Ionen.

Diese Ionen leiten elektrischen Strom.

Je mehr gelöste Ionen vorhanden sind, desto höher ist grundsätzlich die elektrische Leitfähigkeit. Deshalb eignet sich EC als praktischer Hinweis auf die Gesamtkonzentration gelöster Salze.

EC sagt aber nicht:

  • wie viel Stickstoff enthalten ist
  • wie viel Magnesium enthalten ist
  • ob das Verhältnis stimmt
  • ob einzelne Nährstoffe fehlen

Zwei Lösungen können denselben EC besitzen und völlig unterschiedliche chemische Zusammensetzungen haben.

EC misst Konzentration – nicht Qualität der Rezeptur.

Was ein zu hoher EC verursachen kann

Eine sehr hohe Salzkonzentration erhöht das osmotische Potenzial der Nährlösung.

Dadurch kann es für Wurzeln schwieriger werden, Wasser aufzunehmen.

Mögliche Folgen sind:

  • gehemmtes Wachstum
  • Blattspitzenprobleme
  • Welken trotz feuchtem Medium
  • Ionenungleichgewichte
  • Salzakkumulation

Oklahoma State weist allgemein für Hydroponik darauf hin, dass überhöhte Nährstoffkonzentrationen osmotischen Stress, Ionentoxizität und Nährstoffungleichgewichte verursachen können.

Das führt zum bekannten Grow-Begriff Nutrient Burn.

Was bedeutet Nutrient Burn?

Nutrient Burn bezeichnet umgangssprachlich Schäden, die mit übermäßiger Düngung beziehungsweise hoher Salzbelastung verbunden werden.

Typische frühe Hinweise können sein:

  • verbrannt wirkende Blattspitzen
  • sehr dunkles Blattgrün
  • verlangsamtes Wachstum
  • Blattverformungen
  • steigender Drain-EC

Eine braune Spitze allein beweist allerdings keine Überdüngung.

Auch hier müssen Wurzelraum, Wasserstatus und Umwelt gemeinsam betrachtet werden.

Wasserqualität wird oft unterschätzt

Bevor überhaupt Dünger hinzugefügt wird, enthält Wasser bereits Mineralstoffe.

Je nach Quelle können relevant sein:

  • Calcium
  • Magnesium
  • Natrium
  • Chlorid
  • Sulfat
  • Hydrogencarbonat

Deshalb können zwei Grower\*innen mit demselben Dünger unterschiedliche Nährlösungen erzeugen.

Oklahoma State empfiehlt bei hydroponischen Systemen ausdrücklich eine Wasseranalyse, insbesondere hinsichtlich:

  • pH
  • EC
  • Alkalinität
  • vorhandener Mineralsalze.

Gerade Alkalinität wird häufig unterschätzt.

Sie beeinflusst, wie stark sich der pH einer Nährlösung nach dem Anmischen wieder verschiebt.

Leitungswasser und CalMag

Hartes Leitungswasser kann bereits erhebliche Mengen Calcium und Magnesium enthalten.

Sehr weiches Wasser oder Osmosewasser enthält dagegen wesentlich weniger gelöste Mineralstoffe.

Deshalb ergibt die pauschale Empfehlung:

Jeder Grow braucht CalMag

wenig Sinn.

Die sinnvollere Frage lautet:

Was enthält das Ausgangswasser bereits?

Erst danach lässt sich beurteilen, was tatsächlich ergänzt werden muss.

Organisch oder mineralisch?

Organischer Dünger und mineralische Ernährung verfolgen unterschiedliche Bereitstellungswege.

Bei mineralischen Nährlösungen liegen viele Nährstoffe bereits in pflanzenverfügbaren ionischen Formen vor.

Bei organischen Systemen müssen Teile der organisch gebundenen Nährstoffe zunächst über biologische und chemische Prozesse mineralisiert werden.

Daran beteiligt ist unter anderem das Bodenleben beziehungsweise die Rhizosphäre.

Das bedeutet allerdings nicht:

organisch = langsam und gut mineralisch = schnell und schlecht

Beide Systeme können funktionieren.

Entscheidend ist, wie gut sie geführt werden.

Organische und mineralische Werte lassen sich nicht einfach vergleichen

Dieser Punkt ist besonders wichtig bei Studien.

Wenn eine organische Nährlösung beispielsweise rechnerisch 250 mg/L Gesamtstickstoff enthält, bedeutet das nicht automatisch, dass sofort 250 mg/L pflanzenverfügbarer Stickstoff vorhanden sind.

Die Mineralisierung organischer Verbindungen erfolgt zeitabhängig.

Genau deshalb fanden Cannabisstudien bei organischer Düngung teilweise andere nominelle optimale N-Konzentrationen als bei mineralischer Fertigation.

Die Zahlen dürfen nicht einfach direkt gegeneinander gestellt werden.

Living Soil

Bei Living Soil wird noch deutlicher, warum ein klassisches EC-Denken nicht immer übertragbar ist.

Ein lebender Boden funktioniert als komplexes System aus:

  • organischer Substanz
  • Mikroorganismen
  • mineralischen Partikeln
  • Wurzelausscheidungen
  • Wasser
  • Sauerstoff
  • Nährstoffspeichern

Ein Teil der Ernährung entsteht dort über langfristige biologische Umsetzung.

Das Ziel ist weniger:

jede Woche exakt dieselbe mineralische Lösung zu dosieren

und stärker:

ein funktionierendes Bodensystem aufrechtzuerhalten.

Drain richtig lesen

In soilless Systemen kann Drain zusätzliche Informationen liefern.

Interessant sind beispielsweise:

  • Drainvolumen
  • Drain-pH
  • Drain-EC

Ein stark steigender EC im Drain kann ein Hinweis darauf sein, dass sich Salze im Wurzelmedium akkumulieren.

Aber auch hier gilt:

Drain-EC verrät nicht, welcher einzelne Nährstoff das Problem verursacht.

Er zeigt zunächst nur eine veränderte Leitfähigkeit beziehungsweise Salzkonzentration.

Nährstoffaufnahme hängt auch vom Klima ab

Selbst eine perfekt formulierte Nährlösung garantiert keine perfekte Versorgung.

Die Pflanze muss:

  • Wasser aufnehmen
  • transpirieren
  • Ionen über die Wurzel aufnehmen
  • diese innerhalb der Pflanze transportieren

Deshalb hängen Nährstoffprobleme auch mit:

  • Temperatur
  • Luftfeuchtigkeit
  • VPD
  • Wurzeltemperatur
  • Sauerstoff
  • Bewässerung

zusammen.

Ein Problem, das wie „Calcium fehlt“ aussieht, kann beispielsweise mit einer gestörten Wasseraufnahme oder problematischer Wurzelaktivität zusammenhängen.

Das zeigt, warum Pflanzenernährung niemals isoliert vom Klima betrachtet werden sollte.

Überwässerung kann wie ein Nährstoffproblem aussehen

Bei einem ständig gesättigten Wurzelmedium kann der Sauerstoffgehalt sinken.

Die Wurzelaktivität leidet.

Dadurch können Aufnahmeprozesse eingeschränkt werden, obwohl genügend Mineralstoffe vorhanden sind.

Typische Folgen können sein:

  • verlangsamtes Wachstum
  • hängende Blätter
  • Chlorosen
  • schlechtere Nährstoffaufnahme

Mehr Dünger behebt ein Sauerstoffproblem nicht.

Hier sind Drainage, Bewässerung und Wurzelatmung wichtiger.

Temperatur beeinflusst die Nährstoffaufnahme

Auch eine kalte Wurzelzone kann Aufnahme und Stoffwechsel verändern.

Das ist besonders wichtig, wenn Grower\*innen ein scheinbares Mangelbild sehen und sofort nachdüngen.

Wenn die eigentliche Ursache Umweltstress ist, kann zusätzliches Salz die Situation verschlechtern.

Die bessere Reihenfolge lautet:

erst System prüfen – dann Element ergänzen.

Nährstoffbedarf ist genotypabhängig

Ein weiterer Grund, warum universelle Düngepläne problematisch sind:

Cannabisgenetiken reagieren nicht identisch.

Phosphorstudien fanden beispielsweise Unterschiede zwischen untersuchten Genotypen hinsichtlich P-Sensitivität und Mineralstoffverteilung. Auch bei K und anderen Elementen wurden cultivarabhängige Reaktionen dokumentiert.

Ein Düngerplan kann deshalb ein guter Ausgangspunkt sein.

Er ist kein Naturgesetz.

Nährstoffe und Cannabinoide

Auch hier sollte man vorsichtig mit einfachen Versprechen sein.

Manche Studien beobachteten unter niedriger Stickstoffversorgung höhere Konzentrationen einzelner Cannabinoide.

Gleichzeitig sank die Pflanzen- beziehungsweise Blütenbiomasse erheblich.

In einer Cannabisstudie lieferten Pflanzen unter stärkerer N-Versorgung beispielsweise wesentlich mehr Blütenmasse, obwohl die prozentuale Konzentration bestimmter Cannabinoide niedriger war.

Das zeigt den Unterschied zwischen:

Konzentration und Gesamtertrag pro Pflanze.

Nährstoffstress ist deshalb keine einfache Methode, um automatisch „stärkere“ Pflanzen zu erzeugen.

Nährstoffe und Terpene

Auch Terpene können auf Ernährung reagieren.

Studien zeigen Veränderungen von Terpenprofilen in Abhängigkeit von Stickstoffversorgung und anderen Nährstoffstrategien. Die Reaktionen sind allerdings komplex und können sich zwischen einzelnen Terpenen unterscheiden.

Daraus sollte nicht die Regel entstehen:

weniger Dünger = mehr Terpene.

Pflanzenbiomasse, Gesundheit, einzelne Terpenkonzentrationen und Gesamtertrag müssen getrennt betrachtet werden.

Warum „weniger ist mehr“ ebenfalls zu einfach ist

Aus der Kritik an Überdüngung entsteht schnell das andere Extrem:

Cannabis braucht kaum Nährstoffe.

Auch das stimmt nicht.

Kontrollierte Mangelversuche zeigen zum Teil massive Ertragseinbußen. In einer Studie reduzierten Einzeldefizienzen den Blütenertrag – mit Ausnahme der dort untersuchten Fe- und Mn-Behandlungen – um etwa 33 bis 72 Prozent gegenüber vollständig versorgten Kontrollpflanzen.

Die richtige Lehre lautet deshalb nicht:

weniger düngen.

Sondern:

bedarfsgerecht düngen.

Ein sinnvoller Diagnoseablauf

Wenn eine Cannabis-Pflanze ungewöhnliche Symptome zeigt, ist diese Reihenfolge hilfreicher als sofortiges Nachdüngen:

1. Wo tritt das Problem auf?

Alte oder junge Blätter?

2. Wie entwickelt es sich?

Langsam oder innerhalb weniger Tage?

3. Wie sieht das Wurzelmedium aus?

Zu nass, trocken, verdichtet?

4. Stimmt der pH?

Passend zum Kultursystem?

5. Wie hoch ist der EC?

Gibt es Hinweise auf Salzakkumulation?

6. Wie ist das Ausgangswasser?

Hart, weich, hohe Alkalinität?

7. Stimmen Klima und VPD?

8. Erst dann einen konkreten Nährstoff verdächtigen.

Das verhindert einen der häufigsten Grow-Fehler:

Ein vermeintlicher Mangel wird mit mehr Dünger behandelt und dadurch tatsächlich zur Überversorgung.

Häufige Fehler bei der Cannabis-Ernährung

Blind nach Düngeplan arbeiten

Herstellerpläne sind Ausgangspunkte, keine Messung des tatsächlichen Pflanzenbedarfs.

EC als vollständige Nährstoffanalyse verstehen

EC misst Leitfähigkeit, nicht das Verhältnis einzelner Mineralstoffe.

In der Blüte massiv PK erhöhen

Für extreme P- und K-Gaben gibt es keine allgemeine Ertragsgrundlage.

Stickstoff zu früh vollständig reduzieren

Cannabis benötigt N auch während der reproduktiven Entwicklung.

Auf jedes Problem mit CalMag reagieren

Ca und Mg beeinflussen sich gegenseitig und können wiederum K-Aufnahme beeinflussen.

pH korrigieren, ohne Wasserqualität zu kennen

Alkalinität beeinflusst die pH-Stabilität erheblich.

Einzelne Blattbilder überinterpretieren

Selbst kontrollierte Cannabisstudien zeigen Grenzen rein visueller Mangeldiagnostik.

FAQ – Häufige Fragen zu Nährstoffen bei Cannabis

Welche Nährstoffe braucht Cannabis?

Cannabis benötigt primäre Makronährstoffe wie Stickstoff, Phosphor und Kalium, sekundäre Makronährstoffe wie Calcium, Magnesium und Schwefel sowie verschiedene Mikronährstoffe wie Eisen, Mangan, Zink, Kupfer, Bor und Molybdän.

Was bedeutet NPK?

N steht für Stickstoff, P für Phosphor und K für Kalium. Die drei gehören zu den primären Makronährstoffen.

Braucht Cannabis in der Wachstumsphase besonders viel Stickstoff?

Stickstoff ist für vegetatives Wachstum besonders wichtig. Cannabisstudien fanden bei mineralischer soilless Kultur günstige vegetative N-Konzentrationen ungefähr im Bereich von 160–200 mg/L. Diese Werte sind aber system- und genotypabhängig.

Braucht Cannabis in der Blüte viel weniger Stickstoff?

Nicht unbedingt. Eine kontrollierte Blütestudie fand das modellierte Ertragsoptimum bei ungefähr 194 mg/L N. Eine pauschale starke Reduktion ist daher wissenschaftlich nicht generell begründbar.

Braucht Cannabis in der Blüte extrem viel Phosphor?

Nein. Eine Studie fand ein Ertragsoptimum von ungefähr 59 mg/L P. Höhere P-Gaben bringen nicht automatisch mehr Blüten und können den Phosphoraustrag erhöhen.

Bringt mehr Kalium mehr Ertrag?

Nicht automatisch. In einer Blütestudie zeigte K zwischen 60 und 340 mg/L keinen signifikanten Einfluss auf den Blütenertrag.

Was ist CalMag?

CalMag bezeichnet Produkte, die Calcium und Magnesium kombinieren. Beide Elemente sind essenziell, besitzen aber unterschiedliche Funktionen und sollten nicht als ein einziger Nährstoff verstanden werden.

Kann zu viel Magnesium schaden?

Sehr hohe Mg-Versorgung kann die Aufnahme beziehungsweise Translokation von Calcium und Kalium beeinflussen.

Was bedeutet Nutrient Lockout?

Damit wird ein Zustand bezeichnet, bei dem Mineralstoffe im Wurzelraum vorhanden sind, aber nicht ausreichend aufgenommen beziehungsweise genutzt werden. Ursachen können unter anderem pH, Salzbelastung, Wurzelschäden oder Nährstoffinteraktionen sein.

Welcher pH ist bei Cannabis richtig?

Das hängt vom System ab. Allgemeine hydroponische Empfehlungen liegen ungefähr bei pH 5,0–6,0, während Hanf in Boden häufig in einem Bereich von ungefähr 6,0–7,0 gut wächst.

Was sagt EC aus?

EC zeigt die elektrische Leitfähigkeit einer Lösung und dient als indirekter Hinweis auf die Gesamtmenge gelöster Ionen beziehungsweise Salze. Er sagt nicht, welche Nährstoffe konkret enthalten sind.

Kann ein hoher EC einen Nährstoffmangel verursachen?

Eine hohe Salzkonzentration kann osmotischen Stress und Ionenungleichgewichte verursachen und dadurch die Wasser- und Nährstoffaufnahme beeinträchtigen.

Ist organischer Dünger besser?

Nicht grundsätzlich. Organische und mineralische Systeme stellen Nährstoffe unterschiedlich bereit. Entscheidend sind Substrat, Wasser, mikrobielle Aktivität und bedarfsgerechte Versorgung. Cannabisversuche zeigen für beide Ansätze funktionierende Strategien.

Kann man einen Mangel nur am Blatt erkennen?

Nicht zuverlässig. Sichtbare Symptome liefern Hinweise, sollten aber zusammen mit pH, EC, Wurzelgesundheit, Bewässerung und gegebenenfalls Blatt- beziehungsweise Wasseranalysen interpretiert werden.

Ist mehr Dünger automatisch mehr Ertrag?

Nein. Sowohl Unterversorgung als auch Überversorgung können die Pflanzenleistung reduzieren. Für Stickstoff wurde bei Cannabis beispielsweise ein klares Optimum mit schlechterer Entwicklung oberhalb und unterhalb dieses Bereichs gezeigt.

Fazit

Nährstoffversorgung bei Cannabis ist kein Wettbewerb um möglichst hohe NPK-Werte.

Die Pflanze benötigt Stickstoff, Phosphor, Kalium, Calcium, Magnesium, Schwefel und Mikronährstoffe – aber in einem funktionierenden Verhältnis und innerhalb eines Wurzelmilieus, in dem diese Elemente auch verfügbar sind.

Gerade die neuere Cannabisforschung widerspricht einigen sehr alten Grow-Regeln. Stickstoff bleibt auch während der Blüte wichtig. Extrem hohe Phosphorgaben bringen nicht automatisch höhere Erträge. Und zusätzliche Kaliumgaben steigerten in einer kontrollierten Blütestudie innerhalb eines sehr breiten Bereichs den Ertrag überhaupt nicht.

Gleichzeitig können sich Mineralstoffe gegenseitig beeinflussen. Kalium, Calcium und Magnesium konkurrieren teilweise miteinander; Phosphor verändert die Aufnahme und Verteilung anderer Elemente; und ein ungünstiger pH kann ein vermeintliches Mangelbild erzeugen, obwohl eigentlich genug Dünger vorhanden ist.

Deshalb gehören pH-Wert, EC-Wert, Wasserqualität, Drain, Wurzelzone, VPD und die eigentliche Nährstoffrezeptur immer zusammen.

Gute Cannabis-Ernährung bedeutet nicht, der Pflanze möglichst viel zu geben. Sie bedeutet, ihr genau das zur Verfügung zu stellen, was sie unter den jeweiligen Bedingungen tatsächlich nutzen kann. Der beste Düngeplan ist deshalb nicht der stärkste – sondern derjenige, der Pflanze, Genetik, Medium, Wasser und Entwicklungsphase zusammenbringt.

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