Cannabis Lexikon
Cannabis braucht weder möglichst wenig noch möglichst viel Dünger. Entscheidend sind Menge, Verhältnis, Entwicklungsphase und ein Wurzelmilieu, in dem die vorhandenen Mineralstoffe tatsächlich aufgenommen werden können.
Makro- und Mikronährstoffe, NPK, CalMag, pH und EC: Wie Cannabis mineralisch versorgt wird, warum mehr Dünger nicht automatisch mehr Ertrag bedeutet und weshalb Blattbilder allein selten für eine Diagnose reichen.
Definition
Nährstoffe sind mineralische Elemente, die Cannabis für Wachstum, Photosynthese, Zellaufbau, Wasserhaushalt, Stoffwechsel und Fortpflanzung benötigt. Ihre Wirkung hängt nicht nur von der absoluten Menge ab, sondern auch von Verfügbarkeit, Verhältnis, Wurzelzone und Entwicklungsstadium.
Makronährstoffe
N, P, K sowie Ca, Mg und S werden in vergleichsweise größeren Mengen benötigt.
Mikronährstoffe
Fe, Mn, Zn, Cu, B und Mo werden nur in kleinen Mengen benötigt – bleiben aber essenziell.
pH & EC
pH beeinflusst Verfügbarkeit; EC beschreibt die Leitfähigkeit und damit indirekt die Gesamtmenge gelöster Ionen.
In diesem Beitrag
Merksatz
Nährstoffprobleme entstehen nicht nur durch zu wenig eines Elements. Überversorgung, ungünstige Verhältnisse, pH, Salzbelastung, Wasserqualität und Wurzelstress können sehr ähnliche Symptome erzeugen.
Nährstoffe bei Cannabis gehören zu den Grundlagen einer gesunden Pflanzenentwicklung. Stickstoff, Phosphor, Kalium, Calcium, Magnesium und zahlreiche Spurenelemente sind an Photosynthese, Zellteilung, Wasserhaushalt, Wurzelentwicklung und vielen weiteren Stoffwechselprozessen beteiligt.
Entscheidend ist dabei nicht einfach, möglichst viel Dünger zur Verfügung zu stellen.
Cannabis reagiert sowohl auf Mangel als auch auf Überversorgung und ungünstige Nährstoffverhältnisse. Kontrollierte Studien zeigen beispielsweise, dass zu wenig Stickstoff Wachstum und Photosynthese deutlich einschränkt, während hohe N-Gaben oberhalb des jeweiligen Optimums ebenfalls Wachstum und physiologische Leistung reduzieren können. Auch zwischen einzelnen Mineralstoffen bestehen Wechselwirkungen: Hohe Konzentrationen von Kalium oder Magnesium können beispielsweise die Aufnahme anderer Kationen beeinflussen.
Eine gute Nährstoffversorgung bedeutet deshalb vor allem:
die richtige Menge, im richtigen Verhältnis, im passenden Wurzelmilieu und zum jeweiligen Entwicklungsstadium der Pflanze.
Cannabis benötigt wie andere höhere Pflanzen eine Reihe essenzieller Mineralstoffe.
Sie werden üblicherweise nach der benötigten Menge unterteilt.
Dazu gehören unter anderem:
Auch wenn Mikronährstoffe nur in kleinen Mengen benötigt werden, sind sie nicht weniger essenziell. Kontrollierte Cannabisversuche mit gezielt ausgelassenen Einzelmineralstoffen zeigten bei N, P, K, Ca, Mg, S und weiteren Elementen charakteristische Störungen. Bei fast allen getesteten Mangelbehandlungen sank zudem der Blütenertrag deutlich.
Mikro bedeutet also geringe benötigte Menge – nicht geringe Bedeutung.
Auf fast jedem Dünger findet sich eine NPK-Angabe.
Sie steht für:
N = Stickstoff P = Phosphor K = Kalium
Diese drei Elemente werden von Pflanzen in vergleichsweise großen Mengen benötigt und beeinflussen zahlreiche zentrale Prozesse.
NPK sollte trotzdem nicht als komplette Pflanzenernährung verstanden werden.
Eine Nährlösung mit ausreichend Stickstoff, Phosphor und Kalium kann trotzdem Probleme entwickeln, wenn beispielsweise:
Mehr dazu gehört zu Makronährstoffe, Mikronährstoffe, pH-Wert und EC-Wert.
Stickstoff gehört zu den wichtigsten Nährstoffen für Cannabis.
Er ist Bestandteil unter anderem von:
Damit ist Stickstoff eng mit Photosynthese, Blattentwicklung und Pflanzenwachstum verbunden.
Eine kontrollierte Studie untersuchte Cannabis unter 30, 80, 160, 240 und 320 mg/L Stickstoff während der vegetativen Phase. Bei 30 mg/L sank die Pflanzenbiomasse gegenüber dem Optimum um rund 75 Prozent und die Photosyntheserate um etwa 25 Prozent. Die beste physiologische Entwicklung wurde in diesem Versuch bei ungefähr 160 mg/L N beobachtet. Oberhalb davon entstanden wiederum Einschränkungen.
Das ist ein schönes Beispiel für das Grundprinzip der Pflanzenernährung:
Zu wenig ist schlecht – zu viel kann ebenfalls schlecht sein.
Da Stickstoff innerhalb der Pflanze relativ mobil ist, können Mangelsymptome zunächst an älteren Blättern sichtbar werden.
Typisch können sein:
In kontrollierten Cannabis-Mangelversuchen führte N-Defizienz zu besonders starken Wachstumsverlusten.
Trotzdem gilt:
Ein gelbes Blatt beweist keinen Stickstoffmangel.
Wurzelprobleme, pH-Störungen, natürliche Seneszenz und andere Stressfaktoren können ähnlich aussehen.
Phosphor besitzt wichtige Funktionen bei:
Gerade beim Cannabis-Anbau existiert seit Jahrzehnten die Vorstellung, dass in der Blüte extrem viel Phosphor benötigt werde.
Aktuelle Cannabisforschung relativiert diese Annahme deutlich.
In einem Versuch zur vegetativen Phase wurden 5 bis 90 mg/L P verglichen. Die Pflanzen entwickelten sich bei etwa 30 mg/L P sehr gut; höhere Konzentrationen verbesserten die vegetative Leistung nicht automatisch. Übermäßige P-Versorgung beeinflusste zudem die Aufnahme und Verteilung anderer Mineralstoffe.
Eine weitere Studie während der Blüte fand ein modelliertes Ertragsoptimum von ungefähr 59 mg/L P. Der günstige Bereich lag dort ungefähr zwischen 40 und 80 mg/L.
Das spricht deutlich gegen die Vorstellung:
Je mehr Phosphor in der Blüte, desto größer die Blüten.
Überhöhte Phosphorgaben können mehrere Probleme verursachen.
In Cannabisstudien wurden unter anderem Veränderungen bei:
beobachtet.
Hinzu kommt ein ökologischer Aspekt: Überschüssiger Phosphor wird nicht automatisch von der Pflanze aufgenommen. Untersuchungen an Cannabis zeigten, dass erhöhte P-Versorgung den Phosphoraustrag über Drain beziehungsweise Leachate deutlich erhöhen kann, ohne entsprechend Ertrag oder Qualität zu verbessern.
Ein starker PK-Booster ist deshalb nicht automatisch Zeichen einer besseren Blüteversorgung.
Kalium erfüllt eine andere Rolle als Stickstoff oder Phosphor.
Es ist unter anderem beteiligt an:
Kalium ist deshalb für eine gesunde Pflanze unverzichtbar.
Aber auch hier gilt:
Mehr ist nicht automatisch besser.
Cannabisversuche in der vegetativen Phase zeigten bei sehr niedrigen K-Konzentrationen deutliche Wachstumsprobleme. Gleichzeitig führte eine steigende Versorgung oberhalb eines ausreichenden Bereichs nicht unbegrenzt zu zusätzlicher Biomasse.
Noch deutlicher wurde das in einer Blütestudie: Zwischen 60 und 340 mg/L K zeigte sich dort kein signifikanter Einfluss auf den Blütenertrag.
Das ist bemerkenswert, weil manche kommerziellen Bloom-Dünger wesentlich höhere Kaliumkonzentrationen propagieren.
K, Ca und Mg sind positiv geladene Kationen und können sich bei der Aufnahme gegenseitig beeinflussen.
Cannabisstudien zeigten beispielsweise, dass steigende Kaliumversorgung mit sinkenden Calcium- und Magnesiumkonzentrationen im Blattgewebe verbunden sein kann.
Das bedeutet nicht:
Kalium verursacht automatisch CalMag-Mangel.
Es bedeutet:
Nährstoffe existieren nicht unabhängig voneinander.
Ein Problem kann deshalb entstehen, obwohl auf dem Papier von jedem Element ausreichend vorhanden ist.
Calcium gehört zu den sekundären Makronährstoffen.
Es spielt unter anderem eine wichtige Rolle bei:
Calcium besitzt innerhalb der Pflanze eine relativ eingeschränkte Remobilisierbarkeit. Probleme werden deshalb häufig zuerst an aktiv wachsendem, jungem Gewebe sichtbar.
Cannabis-Mangelversuche beschreiben bei Ca-Defizienz deutliche Entwicklungsstörungen, und Untersuchungen zur Mineralstoffdynamik zeigen, dass Calciumaufnahme und -verteilung stark vom Entwicklungsstadium abhängen.
Im Grow-Alltag werden Calcium und Magnesium häufig gemeinsam unter CalMag zusammengefasst.
Chemisch und physiologisch sind es aber zwei unterschiedliche Nährstoffe.
Eine Pflanze kann:
haben.
Deshalb ist „mehr CalMag“ nicht automatisch die richtige Antwort auf jede Fleckenbildung.
Magnesium ist unter anderem Zentralatom des Chlorophyllmoleküls.
Damit besitzt es eine unmittelbare Verbindung zu Chlorophyll und Photosynthese.
Cannabis reagiert deutlich auf Mg-Unterversorgung.
In einer kontrollierten Studie wurden 2, 20, 35, 70 und 140 mg/L Magnesium während der vegetativen Phase verglichen. Bei nur 2 mg/L entstanden typische Mangelsymptome, reduzierte Photosynthese und rund 28 Prozent weniger Biomasse gegenüber einer optimal versorgten Behandlung. Als günstiger Bereich wurden unter den dortigen Bedingungen ungefähr 35–70 mg/L Mg angegeben.
Da Magnesium innerhalb der Pflanze mobil ist, beginnen Symptome typischerweise an älteren Blättern.
Ein klassisches Bild ist:
Interkostalchlorose
Dabei werden Bereiche zwischen den Blattadern heller, während die Adern zunächst grüner bleiben können.
Bei fortschreitendem Mangel können zusätzlich auftreten:
Das Muster ist hilfreich, aber auch hier kein alleiniger Beweis.
Die gleiche Cannabisstudie zeigte einen weiteren wichtigen Punkt:
Mit zunehmender Mg-Versorgung gingen Aufnahme und Translokation von Calcium und Kalium zurück.
Damit kann selbst ein grundsätzlich essenzieller Mineralstoff bei unnötig hoher Dosierung das Gleichgewicht anderer Nährstoffe beeinflussen.
Genau deshalb ist die Vorstellung problematisch, bei jedem unbekannten Problem einfach mehr CalMag hinzuzugeben.
Schwefel wird unter anderem für schwefelhaltige Aminosäuren, Proteine und zahlreiche Stoffwechselprozesse benötigt.
Obwohl Cannabis Schwefel in geringerer Menge als N, P oder K benötigt, gehört S weiterhin zu den Makronährstoffen.
Kontrollierte Mangelversuche bei Cannabis zeigen auch für Schwefel typische Blatt- und Wachstumsveränderungen. Ein ausgeprägter Mangel kann außerdem den Blütenertrag reduzieren.
Da manche Dünger Schwefel beispielsweise über Sulfatquellen zusammen mit Magnesium oder anderen Mineralstoffen liefern, wird S im Grow-Alltag häufig weniger bewusst wahrgenommen.
Die Mikronährstoffe werden nur in kleinen Mengen benötigt.
Dazu gehören insbesondere:
Wichtig für verschiedene Redoxsysteme, Enzyme und die Chlorophyllbildung beziehungsweise deren Stoffwechselumfeld.
Beteiligt unter anderem an Photosynthese und enzymatischen Prozessen.
Relevant für zahlreiche Enzyme und Wachstumsprozesse.
Wird für verschiedene Redoxenzyme und Stoffwechselwege benötigt.
Spielt unter anderem eine Rolle bei Zellwand- und Gewebeentwicklung.
Wird in sehr kleinen Mengen für bestimmte Enzyme des Stickstoffstoffwechsels benötigt.
Mikronährstoffe zeigen besonders gut, warum „mehr“ eine schlechte Strategie ist.
Zwischen Mangel und Überschuss liegt bei manchen Spurenelementen ein relativ enger Bereich.
Im Grow wird schnell von Nährstoffmangel gesprochen.
Dabei können zwei grundsätzlich unterschiedliche Situationen vorliegen.
Im Wurzelraum ist zu wenig eines bestimmten Nährstoffs vorhanden.
Ein Mineralstoff ist vorhanden, kann aber aufgrund des Wurzelmilieus beziehungsweise anderer chemischer oder physiologischer Faktoren nicht ausreichend aufgenommen oder genutzt werden.
Ursachen können beispielsweise sein:
Deshalb ist es gefährlich, allein anhand eines Blattfotos direkt einen Dünger nachzugießen.
Cannabis-Mangelstudien zeigen typische Symptomverläufe.
Das ist hilfreich.
Gleichzeitig zeigte eine kontrollierte Untersuchung mit Einzelmängeln, dass der Zeitpunkt sichtbarer Symptome nicht immer eindeutig mit der gemessenen Mineralstoffkonzentration im Blatt übereinstimmte. Es wird deshalb ausdrücklich eine integrierte Diagnose statt reiner visueller Interpretation empfohlen.
Ein brauner Fleck bedeutet eben nicht automatisch:
Calcium.
Ein gelbes Blatt bedeutet nicht automatisch:
Stickstoff.
Und violette Blattbereiche bedeuten nicht automatisch:
Phosphor.
Zu einer sinnvollen Diagnose gehören zusätzlich:
Ein hilfreiches Diagnoseprinzip ist die Beweglichkeit eines Elements innerhalb der Pflanze.
Relativ mobile Elemente können aus älterem Gewebe in jüngeres verlagert werden.
Dazu gehören beispielsweise:
Mangelsymptome werden deshalb häufig zunächst an älterem Gewebe sichtbar.
Weniger mobile Elemente wie Calcium können dagegen schneller Probleme im jüngeren Pflanzengewebe zeigen.
Dieses Prinzip ist hilfreicher als einfache Bildtabellen, ersetzt aber ebenfalls keine vollständige Diagnose.
Während der Vegetationsphase baut Cannabis:
auf.
Stickstoff besitzt in dieser Phase eine hohe Bedeutung.
Eine 2024 veröffentlichte Response-Surface-Studie untersuchte Kombinationen verschiedener N-, P- und K-Konzentrationen in hydroponisch kultiviertem Cannabis. Unter den Bedingungen dieses Experiments wurden ungefähr:
160–200 mg/L N 30 mg/L P 60 mg/L K
als günstige Kombination hinsichtlich Wachstum und Nährstoffnutzung identifiziert.
Diese Werte sollten allerdings nicht als universelles Düngerezept verwendet werden.
Sie stammen aus einem konkreten:
Andere Cannabisstudien fanden beispielsweise für isolierte K-Versuche höhere günstige Konzentrationen.
Gerade dieser Unterschied zeigt:
Nährstoffbedarf ist system- und genotypabhängig.
Die klassische Grow-Regel lautet häufig:
In der Blüte Stickstoff stark reduzieren und massiv Phosphor und Kalium erhöhen.
Wissenschaftlich ist das zu einfach.
Eine Response-Surface-Studie zur Cannabisblüte untersuchte:
Das modellierte Maximum des Blütenertrags lag bei ungefähr:
194 mg/L N 59 mg/L P
Für Kalium konnte innerhalb des gesamten getesteten Bereichs kein signifikanter Ertragseffekt festgestellt werden.
Besonders bemerkenswert:
Der günstigste Stickstoffbereich lag ungefähr zwischen 160 und 230 mg/L.
Stickstoff wird also nicht plötzlich unwichtig, sobald Cannabis Blüten entwickelt.
Die korrektere Antwort lautet:
Der Nährstoffbedarf verändert sich während der Entwicklung – aber nicht nach der simplen Regel „N weg, PK hoch“.
Eine Untersuchung der Mineralstoffaufnahme über den gesamten Entwicklungszyklus zeigte, dass sich Aufnahme und Verteilung der einzelnen Elemente während vegetativer und reproduktiver Entwicklung unterschiedlich verändern. Die Einlagerungsraten von N, P und K nahmen während Teilen der reproduktiven Entwicklung sogar weiter zu, während Calcium und Magnesium andere zeitliche Muster zeigten.
Das bedeutet:
Die Pflanze verändert ihre Nährstoffdynamik.
Das ist etwas anderes als die Marketinglogik vieler Bloom-Booster.
Viele Blütedünger werben mit besonders hohen Konzentrationen von Phosphor und Kalium.
Die zugrunde liegende Erzählung lautet häufig:
mehr P + mehr K = mehr Blüte
Für Cannabis gibt es dafür keine allgemeine wissenschaftliche Grundlage.
Beim Phosphor zeigte sich ein Optimum, oberhalb dessen keine weitere Ertragssteigerung entstand.
Beim Kalium führte eine Steigerung von 60 bis 340 mg/L in einer kontrollierten Blütestudie zu keinem signifikanten Mehrertrag.
PK ist also wichtig.
Extremes PK ist etwas anderes.
Eine Nährlösung sollte nicht als Liste unabhängiger Mineralstoffe verstanden werden.
Zwischen verschiedenen Ionen entstehen Wechselwirkungen.
Cannabisstudien dokumentieren beispielsweise:
mehr K → teilweise weniger Ca und Mg im Blatt mehr Mg → geringere Ca- und K-Aufnahme beziehungsweise Translokation verändertes P → Veränderungen bei Mg, Ca und anderen Elementen
Daraus entsteht ein zentraler Grundsatz:
Die richtige Menge eines einzelnen Nährstoffs kann trotzdem falsch sein, wenn das Verhältnis zum Rest der Lösung nicht stimmt.
Der pH-Wert beeinflusst die chemische Verfügbarkeit verschiedener Mineralstoffe im Wurzelraum.
Bei hydroponischen beziehungsweise soilless Systemen werden Nährlösungen typischerweise leicht sauer geführt.
Oklahoma State University nennt für allgemeine hydroponische Nährlösungen einen Bereich von ungefähr pH 5,0–6,0, häufig rund um 5,5. Cannabisstudien mit soilless Fertigation arbeiten ebenfalls häufig ungefähr bei pH 5,8.
Für Bodenkultur gelten andere Bedingungen.
Extension-Empfehlungen für Hanf nennen für gut drainierte Böden ungefähr pH 6,0–7,0 als günstigen Bereich.
Deshalb ist die Aussage:
Cannabis braucht pH 6,0
ohne Angabe des Mediums wenig sinnvoll.
Ist der pH deutlich außerhalb eines geeigneten Bereichs, können bestimmte Nährstoffe schlechter verfügbar werden oder sich chemisch verändern.
Das kann aussehen wie:
obwohl theoretisch ausreichend Dünger vorhanden ist.
In solchen Situationen mehr Dünger hinzuzugeben kann das Problem sogar verstärken.
Mehr dazu gehört zu Nutrient Lockout.
EC steht für Electrical Conductivity, also elektrische Leitfähigkeit.
Gelöste Mineralsalze zerfallen im Wasser in Ionen.
Diese Ionen leiten elektrischen Strom.
Je mehr gelöste Ionen vorhanden sind, desto höher ist grundsätzlich die elektrische Leitfähigkeit. Deshalb eignet sich EC als praktischer Hinweis auf die Gesamtkonzentration gelöster Salze.
EC sagt aber nicht:
Zwei Lösungen können denselben EC besitzen und völlig unterschiedliche chemische Zusammensetzungen haben.
EC misst Konzentration – nicht Qualität der Rezeptur.
Eine sehr hohe Salzkonzentration erhöht das osmotische Potenzial der Nährlösung.
Dadurch kann es für Wurzeln schwieriger werden, Wasser aufzunehmen.
Mögliche Folgen sind:
Oklahoma State weist allgemein für Hydroponik darauf hin, dass überhöhte Nährstoffkonzentrationen osmotischen Stress, Ionentoxizität und Nährstoffungleichgewichte verursachen können.
Das führt zum bekannten Grow-Begriff Nutrient Burn.
Nutrient Burn bezeichnet umgangssprachlich Schäden, die mit übermäßiger Düngung beziehungsweise hoher Salzbelastung verbunden werden.
Typische frühe Hinweise können sein:
Eine braune Spitze allein beweist allerdings keine Überdüngung.
Auch hier müssen Wurzelraum, Wasserstatus und Umwelt gemeinsam betrachtet werden.
Bevor überhaupt Dünger hinzugefügt wird, enthält Wasser bereits Mineralstoffe.
Je nach Quelle können relevant sein:
Deshalb können zwei Grower\*innen mit demselben Dünger unterschiedliche Nährlösungen erzeugen.
Oklahoma State empfiehlt bei hydroponischen Systemen ausdrücklich eine Wasseranalyse, insbesondere hinsichtlich:
Gerade Alkalinität wird häufig unterschätzt.
Sie beeinflusst, wie stark sich der pH einer Nährlösung nach dem Anmischen wieder verschiebt.
Hartes Leitungswasser kann bereits erhebliche Mengen Calcium und Magnesium enthalten.
Sehr weiches Wasser oder Osmosewasser enthält dagegen wesentlich weniger gelöste Mineralstoffe.
Deshalb ergibt die pauschale Empfehlung:
Jeder Grow braucht CalMag
wenig Sinn.
Die sinnvollere Frage lautet:
Was enthält das Ausgangswasser bereits?
Erst danach lässt sich beurteilen, was tatsächlich ergänzt werden muss.
Organischer Dünger und mineralische Ernährung verfolgen unterschiedliche Bereitstellungswege.
Bei mineralischen Nährlösungen liegen viele Nährstoffe bereits in pflanzenverfügbaren ionischen Formen vor.
Bei organischen Systemen müssen Teile der organisch gebundenen Nährstoffe zunächst über biologische und chemische Prozesse mineralisiert werden.
Daran beteiligt ist unter anderem das Bodenleben beziehungsweise die Rhizosphäre.
Das bedeutet allerdings nicht:
organisch = langsam und gut mineralisch = schnell und schlecht
Beide Systeme können funktionieren.
Entscheidend ist, wie gut sie geführt werden.
Dieser Punkt ist besonders wichtig bei Studien.
Wenn eine organische Nährlösung beispielsweise rechnerisch 250 mg/L Gesamtstickstoff enthält, bedeutet das nicht automatisch, dass sofort 250 mg/L pflanzenverfügbarer Stickstoff vorhanden sind.
Die Mineralisierung organischer Verbindungen erfolgt zeitabhängig.
Genau deshalb fanden Cannabisstudien bei organischer Düngung teilweise andere nominelle optimale N-Konzentrationen als bei mineralischer Fertigation.
Die Zahlen dürfen nicht einfach direkt gegeneinander gestellt werden.
Bei Living Soil wird noch deutlicher, warum ein klassisches EC-Denken nicht immer übertragbar ist.
Ein lebender Boden funktioniert als komplexes System aus:
Ein Teil der Ernährung entsteht dort über langfristige biologische Umsetzung.
Das Ziel ist weniger:
jede Woche exakt dieselbe mineralische Lösung zu dosieren
und stärker:
ein funktionierendes Bodensystem aufrechtzuerhalten.
In soilless Systemen kann Drain zusätzliche Informationen liefern.
Interessant sind beispielsweise:
Ein stark steigender EC im Drain kann ein Hinweis darauf sein, dass sich Salze im Wurzelmedium akkumulieren.
Aber auch hier gilt:
Drain-EC verrät nicht, welcher einzelne Nährstoff das Problem verursacht.
Er zeigt zunächst nur eine veränderte Leitfähigkeit beziehungsweise Salzkonzentration.
Selbst eine perfekt formulierte Nährlösung garantiert keine perfekte Versorgung.
Die Pflanze muss:
Deshalb hängen Nährstoffprobleme auch mit:
zusammen.
Ein Problem, das wie „Calcium fehlt“ aussieht, kann beispielsweise mit einer gestörten Wasseraufnahme oder problematischer Wurzelaktivität zusammenhängen.
Das zeigt, warum Pflanzenernährung niemals isoliert vom Klima betrachtet werden sollte.
Bei einem ständig gesättigten Wurzelmedium kann der Sauerstoffgehalt sinken.
Die Wurzelaktivität leidet.
Dadurch können Aufnahmeprozesse eingeschränkt werden, obwohl genügend Mineralstoffe vorhanden sind.
Typische Folgen können sein:
Mehr Dünger behebt ein Sauerstoffproblem nicht.
Hier sind Drainage, Bewässerung und Wurzelatmung wichtiger.
Auch eine kalte Wurzelzone kann Aufnahme und Stoffwechsel verändern.
Das ist besonders wichtig, wenn Grower\*innen ein scheinbares Mangelbild sehen und sofort nachdüngen.
Wenn die eigentliche Ursache Umweltstress ist, kann zusätzliches Salz die Situation verschlechtern.
Die bessere Reihenfolge lautet:
erst System prüfen – dann Element ergänzen.
Ein weiterer Grund, warum universelle Düngepläne problematisch sind:
Cannabisgenetiken reagieren nicht identisch.
Phosphorstudien fanden beispielsweise Unterschiede zwischen untersuchten Genotypen hinsichtlich P-Sensitivität und Mineralstoffverteilung. Auch bei K und anderen Elementen wurden cultivarabhängige Reaktionen dokumentiert.
Ein Düngerplan kann deshalb ein guter Ausgangspunkt sein.
Er ist kein Naturgesetz.
Auch hier sollte man vorsichtig mit einfachen Versprechen sein.
Manche Studien beobachteten unter niedriger Stickstoffversorgung höhere Konzentrationen einzelner Cannabinoide.
Gleichzeitig sank die Pflanzen- beziehungsweise Blütenbiomasse erheblich.
In einer Cannabisstudie lieferten Pflanzen unter stärkerer N-Versorgung beispielsweise wesentlich mehr Blütenmasse, obwohl die prozentuale Konzentration bestimmter Cannabinoide niedriger war.
Das zeigt den Unterschied zwischen:
Konzentration und Gesamtertrag pro Pflanze.
Nährstoffstress ist deshalb keine einfache Methode, um automatisch „stärkere“ Pflanzen zu erzeugen.
Auch Terpene können auf Ernährung reagieren.
Studien zeigen Veränderungen von Terpenprofilen in Abhängigkeit von Stickstoffversorgung und anderen Nährstoffstrategien. Die Reaktionen sind allerdings komplex und können sich zwischen einzelnen Terpenen unterscheiden.
Daraus sollte nicht die Regel entstehen:
weniger Dünger = mehr Terpene.
Pflanzenbiomasse, Gesundheit, einzelne Terpenkonzentrationen und Gesamtertrag müssen getrennt betrachtet werden.
Aus der Kritik an Überdüngung entsteht schnell das andere Extrem:
Cannabis braucht kaum Nährstoffe.
Auch das stimmt nicht.
Kontrollierte Mangelversuche zeigen zum Teil massive Ertragseinbußen. In einer Studie reduzierten Einzeldefizienzen den Blütenertrag – mit Ausnahme der dort untersuchten Fe- und Mn-Behandlungen – um etwa 33 bis 72 Prozent gegenüber vollständig versorgten Kontrollpflanzen.
Die richtige Lehre lautet deshalb nicht:
weniger düngen.
Sondern:
bedarfsgerecht düngen.
Wenn eine Cannabis-Pflanze ungewöhnliche Symptome zeigt, ist diese Reihenfolge hilfreicher als sofortiges Nachdüngen:
Alte oder junge Blätter?
Langsam oder innerhalb weniger Tage?
Zu nass, trocken, verdichtet?
Passend zum Kultursystem?
Gibt es Hinweise auf Salzakkumulation?
Hart, weich, hohe Alkalinität?
Das verhindert einen der häufigsten Grow-Fehler:
Ein vermeintlicher Mangel wird mit mehr Dünger behandelt und dadurch tatsächlich zur Überversorgung.
Herstellerpläne sind Ausgangspunkte, keine Messung des tatsächlichen Pflanzenbedarfs.
EC misst Leitfähigkeit, nicht das Verhältnis einzelner Mineralstoffe.
Für extreme P- und K-Gaben gibt es keine allgemeine Ertragsgrundlage.
Cannabis benötigt N auch während der reproduktiven Entwicklung.
Ca und Mg beeinflussen sich gegenseitig und können wiederum K-Aufnahme beeinflussen.
Alkalinität beeinflusst die pH-Stabilität erheblich.
Selbst kontrollierte Cannabisstudien zeigen Grenzen rein visueller Mangeldiagnostik.
Cannabis benötigt primäre Makronährstoffe wie Stickstoff, Phosphor und Kalium, sekundäre Makronährstoffe wie Calcium, Magnesium und Schwefel sowie verschiedene Mikronährstoffe wie Eisen, Mangan, Zink, Kupfer, Bor und Molybdän.
N steht für Stickstoff, P für Phosphor und K für Kalium. Die drei gehören zu den primären Makronährstoffen.
Stickstoff ist für vegetatives Wachstum besonders wichtig. Cannabisstudien fanden bei mineralischer soilless Kultur günstige vegetative N-Konzentrationen ungefähr im Bereich von 160–200 mg/L. Diese Werte sind aber system- und genotypabhängig.
Nicht unbedingt. Eine kontrollierte Blütestudie fand das modellierte Ertragsoptimum bei ungefähr 194 mg/L N. Eine pauschale starke Reduktion ist daher wissenschaftlich nicht generell begründbar.
Nein. Eine Studie fand ein Ertragsoptimum von ungefähr 59 mg/L P. Höhere P-Gaben bringen nicht automatisch mehr Blüten und können den Phosphoraustrag erhöhen.
Nicht automatisch. In einer Blütestudie zeigte K zwischen 60 und 340 mg/L keinen signifikanten Einfluss auf den Blütenertrag.
CalMag bezeichnet Produkte, die Calcium und Magnesium kombinieren. Beide Elemente sind essenziell, besitzen aber unterschiedliche Funktionen und sollten nicht als ein einziger Nährstoff verstanden werden.
Sehr hohe Mg-Versorgung kann die Aufnahme beziehungsweise Translokation von Calcium und Kalium beeinflussen.
Damit wird ein Zustand bezeichnet, bei dem Mineralstoffe im Wurzelraum vorhanden sind, aber nicht ausreichend aufgenommen beziehungsweise genutzt werden. Ursachen können unter anderem pH, Salzbelastung, Wurzelschäden oder Nährstoffinteraktionen sein.
Das hängt vom System ab. Allgemeine hydroponische Empfehlungen liegen ungefähr bei pH 5,0–6,0, während Hanf in Boden häufig in einem Bereich von ungefähr 6,0–7,0 gut wächst.
EC zeigt die elektrische Leitfähigkeit einer Lösung und dient als indirekter Hinweis auf die Gesamtmenge gelöster Ionen beziehungsweise Salze. Er sagt nicht, welche Nährstoffe konkret enthalten sind.
Eine hohe Salzkonzentration kann osmotischen Stress und Ionenungleichgewichte verursachen und dadurch die Wasser- und Nährstoffaufnahme beeinträchtigen.
Nicht grundsätzlich. Organische und mineralische Systeme stellen Nährstoffe unterschiedlich bereit. Entscheidend sind Substrat, Wasser, mikrobielle Aktivität und bedarfsgerechte Versorgung. Cannabisversuche zeigen für beide Ansätze funktionierende Strategien.
Nicht zuverlässig. Sichtbare Symptome liefern Hinweise, sollten aber zusammen mit pH, EC, Wurzelgesundheit, Bewässerung und gegebenenfalls Blatt- beziehungsweise Wasseranalysen interpretiert werden.
Nein. Sowohl Unterversorgung als auch Überversorgung können die Pflanzenleistung reduzieren. Für Stickstoff wurde bei Cannabis beispielsweise ein klares Optimum mit schlechterer Entwicklung oberhalb und unterhalb dieses Bereichs gezeigt.
Nährstoffversorgung bei Cannabis ist kein Wettbewerb um möglichst hohe NPK-Werte.
Die Pflanze benötigt Stickstoff, Phosphor, Kalium, Calcium, Magnesium, Schwefel und Mikronährstoffe – aber in einem funktionierenden Verhältnis und innerhalb eines Wurzelmilieus, in dem diese Elemente auch verfügbar sind.
Gerade die neuere Cannabisforschung widerspricht einigen sehr alten Grow-Regeln. Stickstoff bleibt auch während der Blüte wichtig. Extrem hohe Phosphorgaben bringen nicht automatisch höhere Erträge. Und zusätzliche Kaliumgaben steigerten in einer kontrollierten Blütestudie innerhalb eines sehr breiten Bereichs den Ertrag überhaupt nicht.
Gleichzeitig können sich Mineralstoffe gegenseitig beeinflussen. Kalium, Calcium und Magnesium konkurrieren teilweise miteinander; Phosphor verändert die Aufnahme und Verteilung anderer Elemente; und ein ungünstiger pH kann ein vermeintliches Mangelbild erzeugen, obwohl eigentlich genug Dünger vorhanden ist.
Deshalb gehören pH-Wert, EC-Wert, Wasserqualität, Drain, Wurzelzone, VPD und die eigentliche Nährstoffrezeptur immer zusammen.
Gute Cannabis-Ernährung bedeutet nicht, der Pflanze möglichst viel zu geben. Sie bedeutet, ihr genau das zur Verfügung zu stellen, was sie unter den jeweiligen Bedingungen tatsächlich nutzen kann. Der beste Düngeplan ist deshalb nicht der stärkste – sondern derjenige, der Pflanze, Genetik, Medium, Wasser und Entwicklungsphase zusammenbringt.