
Cannabis Lexikon
OG ist mehr als ein Kürzel im Strain-Namen. Die Geschichte führt von einem Florida-Cut der 1990er-Jahre über Los Angeles zu einer ganzen Familie aus OG-, Kush-, Gas- und späteren Hybrid-Genetiken – mit einer Herkunft, die zugleich gut dokumentierte Eckpunkte und hartnäckige Mythen besitzt.
Was OG wirklich bedeutet, wie der Clone-only-Cut von Florida nach Los Angeles gelangte, warum die berühmte Chemdawg-Lemon-Thai-Hindu-Kush-Parentage nicht gesichert ist und wie daraus eine der prägendsten Familien moderner US-Genetik entstand.
Definition
OG bezeichnet im Cannabis-Kontext vor allem die historische und züchterische Familie rund um OG Kush. Nach dem direkten Bericht von Josh Del Rosso steht das Kürzel für Original. Botanisch ist OG keine wissenschaftlich definierte Cannabis-Kategorie.
1990er
Die dokumentierte OG-Geschichte beginnt in Florida und führt 1996 nach Los Angeles.
Clone-only
Die historische OG Kush war ein weitergereichter Cut, keine ursprünglich stabilisierte Seed-Linie.
OG-Familie
SFV OG, Tahoe OG, Ghost OG, Larry OG und zahlreiche spätere Hybride machten aus einem Cut eine genetische Richtung.
In diesem Beitrag
Merksatz
Bei OG ist Provenienz wichtiger als ein Name allein. Ein moderner Seed-Strain mit OG im Namen kann auf die Familie zurückgehen, ist aber nicht automatisch genetisch identisch mit dem historischen Clone-only-Cut.
OG gehört zu den prägendsten Kürzeln der modernen Cannabis-Kultur. Kaum eine andere Bezeichnung taucht in so vielen Stammbäumen, Strain-Namen und Breeding-Projekten auf – von OG Kush über SFV OG und Ghost OG bis zu unzähligen modernen Hybriden, die OG-Genetik irgendwo in ihrer Abstammung tragen.
Im Zentrum steht OG Kush.
Die Genetik wurde in den 1990er-Jahren eng mit der aufkommenden Cannabis-Kultur Südkaliforniens verbunden und entwickelte sich von einem weitergegebenen Clone zu einem der einflussreichsten Ausgangspunkte moderner US-Genetik.
Dabei ist die Geschichte von OG ein perfektes Beispiel dafür, warum Cannabis-Historie manchmal schwierig zu rekonstruieren ist. Vieles wurde über Jahrzehnte mündlich innerhalb der Szene weitergegeben. Strain-Namen wurden verändert, Cuts weitergereicht und Abstammungsgeschichten später ergänzt.
Auch in der bereits aufgearbeiteten Geschichte der Cannabis Genetics steht OG deshalb neben Chem, Sour, Cookies, Z und Gelato sinnbildlich für den späteren starken Einfluss amerikanischer Genetics.
OG ist also nicht einfach ein Aroma oder ein Strainname. Es ist eine genetische und kulturelle Familie – deren Geschichte gleichzeitig besser dokumentiert und komplizierter ist, als viele klassische Strain-Beschreibungen vermuten lassen.
Kaum eine Frage wird in der Cannabis-Kultur so häufig diskutiert.
Über Jahrzehnte kursierten vor allem drei Erklärungen:
Ocean Grown, Original Gangster und Original.
Die beste Primärquelle spricht heute jedoch ziemlich klar für die dritte Variante.
Josh Del Rosso – besser bekannt als Josh D und eine der zentralen Personen hinter der Verbreitung von OG Kush in Los Angeles – erklärte bereits 2018 gegenüber Forbes:
OG stehe für Original.
Die Bezeichnung sollte demnach die ursprüngliche beziehungsweise authentische Kush markieren, die von dieser Crew kultiviert wurde.
Das bedeutet nicht, dass Begriffe wie Ocean Grown oder Original Gangster innerhalb der Cannabis-Kultur bedeutungslos wären.
Sie gehören inzwischen selbst zur Geschichte des Namens.
Historisch sollte man sie aber eher als später entstandene beziehungsweise verbreitete Deutungen behandeln und nicht als gleich gut belegte Ursprungserklärungen.
Die präziseste Formulierung lautet deshalb:
Nach dem direkten Bericht von Josh D steht OG für Original. Ocean Grown und Original Gangster sind populäre alternative Erklärungen, für die es deutlich schwächere Primärbelege gibt.
Historischer Kernpunkt
Josh Del Rosso erklärte 2018 ausdrücklich, dass OG für Original steht. Ocean Grown und Original Gangster bleiben wichtige Teile der späteren Cannabis-Folklore, sind aber als Ursprungserklärung schwächer belegt.
Auch bei der Herkunft lohnt sich eine Trennung zwischen gut dokumentierter Szenehistorie und späteren Abstammungstheorien.
Josh D führt die Geschichte der Genetik auf Florida in den frühen bis mittleren 1990er-Jahren zurück.
Dort soll die Pflanze zunächst unter Bezeichnungen wie Kush, Krippy beziehungsweise Supernaut innerhalb einer kleinen Grower-Community weitergegeben worden sein.
1996 brachte Matt Berger einen Cut von Florida nach Los Angeles.
Josh D kultivierte und vermehrte die überlebende Pflanze anschließend in Südkalifornien und war maßgeblich daran beteiligt, den Cut innerhalb der dortigen Szene weiterzugeben.
Damit ist die vergleichsweise gut dokumentierte Route:
Florida → Los Angeles → Southern California
wesentlich belastbarer als viele der heute online veröffentlichten genetischen Stammbäume.
Das ist ein besonders wichtiger Punkt.
Die historische OG Kush, auf die sich Josh D bezieht, wurde als Clone-only-Cultivar weitergegeben.
Das bedeutet:
Die konkrete Pflanze wurde über Stecklinge erhalten und verbreitet.
Sie war nicht ursprünglich eine stabilisierte Seed-Linie, bei der man einfach ein Pack OG Kush Seeds öffnen und genetisch identische Versionen dieser Pflanze erwarten konnte.
Moderne OG-Kush-Samen sind deshalb züchterische Reproduktionen, Selektionen beziehungsweise Kreuzungen, die sich auf OG Kush beziehen.
Das ist etwas anderes als der originale historische Cut.
Gerade diese Unterscheidung wird in vielen Strain-Texten übergangen.
Heute findest du beispielsweise auch bei Cannaseuse eine moderne feminisierte OG Kush von DNA Genetics.
Das ist eine kommerziell verfügbare Seed-Genetik mit OG-Bezug – nicht die Behauptung, dass jeder Samen eine genetisch identische Kopie des ursprünglichen Clone-only-Cuts von 1996 wäre.
Diese Parentage gehört zu den meistkopierten Angaben über OG Kush.
Häufig findet man:
Chemdawg × Lemon Thai × Hindu Kush
oder Varianten davon.
Das Problem:
Für diese exakte Abstammung existiert kein belastbarer zeitgenössischer Zuchtbericht des ursprünglichen Breeders.
Auch Josh D weist die häufig online wiederholte Parentage als nicht bestätigte Drittanbieter-Theorie zurück. Die ursprüngliche OG wurde als vorhandener Cut weitergegeben; eine klar dokumentierte Kreuzung mit bekannten Eltern wurde damals nicht veröffentlicht.
Das bedeutet nicht, dass Chemdog beziehungsweise ähnliche Genetics überhaupt keinen historischen Zusammenhang besitzen können.
Es bedeutet lediglich:
Die genaue Elternkombination von OG Kush ist nicht ausreichend dokumentiert, um sie wie einen gesicherten Stammbaum zu behandeln.
Das passt zu einem größeren Problem historischer Cannabis Genetics: Bei älteren Strains existieren häufig mehrere Herkunftsgeschichten, Cuts können verloren gehen und Namen weiterverwendet werden. Genau deshalb ist dokumentierte Provenienz wichtiger als ein beeindruckend langer Stammbaum auf einer Produktseite.
Das Wort Kush führt schnell zu einer weiteren Verwechslung.
Der Hindu Kush ist eine reale Gebirgsregion in Zentral- und Südasien. Historische Cannabis-Populationen aus Afghanistan und angrenzenden Regionen spielten eine wichtige Rolle für traditionelle Hash-Kultur und später auch für moderne Cannabiszüchtung.
OG Kush ist jedoch keine dokumentierte Hindu-Kush-Landrasse.
Es handelt sich um eine wesentlich jüngere US-Genetik mit einer eigenen, teilweise ungeklärten Herkunftsgeschichte.
Wer diese Unterschiede genauer verstehen möchte, findet im Cannaseuse-Lexikon eine ausführlichere Einordnung zu Kush und der historischen Kush-Familie.
Das ist wichtig, weil das Wort Kush heute mindestens zwei Ebenen besitzt:
historische geografische Herkunft – und moderne Cannabis-Szenesprache.
OG Kush gehört eindeutig zur zweiten Entwicklung.
Die enorme Bedeutung von OG entstand nicht nur dadurch, dass der ursprüngliche Cut beliebt wurde.
Entscheidend war, dass er weitergegeben, selektiert und mit anderen Genetics kombiniert wurde.
Aus diesem Umfeld entstanden beziehungsweise etablierten sich Namen wie:
SFV OG, Tahoe OG, Ghost OG, Larry OG und weitere OG-bezogene Cuts und Hybride.
Josh D nennt diese Linien selbst als wichtige Nachkommen beziehungsweise Mitglieder der erweiterten OG-Familie.
Dadurch wurde OG irgendwann größer als die ursprüngliche Pflanze.
OG entwickelte sich zu einer genetischen Richtung.
Ein moderner Strain kann deshalb OG-Einfluss besitzen, ohne selbst OG Kush zu heißen.
Ein gutes Beispiel im aktuellen Cannaseuse-Sortiment ist Blucci OG von Grounded Genetics. In ihrer dokumentierten Abstammung steckt unter anderem SFV OG × Triangle Kush bx2.
Hier sieht man, wie eine historische OG-Richtung Generationen später Bestandteil einer völlig anderen modernen Hybridgenetik werden kann.
Trotzdem sollte man vorsichtig mit dem Begriff „OG-Familie“ umgehen.
Botanisch existiert keine offizielle Kategorie:
OG Cannabis
mit klar definierten genetischen Grenzen.
OG ist vielmehr eine historische und züchterische Bezeichnung.
Das ist besonders wichtig, weil moderne Forschung gezeigt hat, dass Cannabisproben mit demselben Strain-Namen genetisch und chemisch erheblich voneinander abweichen können.
Eine genomische Untersuchung von 2021 fand beispielsweise, dass Proben mit identischen Cultivar-Namen – ausdrücklich auch OG Kush – teilweise genetisch und chemisch fast genauso weit voneinander entfernt waren wie Proben mit völlig unterschiedlichen Namen.
Der Name OG Kush allein garantiert deshalb keine definierte genetische Identität.
Cut, Breeder und dokumentierte Herkunft sind mindestens genauso wichtig wie der Name.
Wenn es eine Eigenschaft gibt, die OG kulturell fast genauso stark geprägt hat wie ihre Genetik, dann ist es das Aroma.
Josh D beschreibt den ursprünglichen Charakter sehr direkt als eine Kombination aus:
Pine-Sol, Kerosin und erdigem Gas.
In der Szene begegnen einem entsprechend immer wieder Beschreibungen wie:
Gerade der Fuel-/Gas-Charakter wurde zu einem Markenzeichen vieler OG-naher Genetics.
Wer genau diese sensorische Richtung sucht, findet bei Cannaseuse heute eine eigene Collection für gasige Cannabis Genetics, in der neben Diesel- und Chem-Familien auch zahlreiche OG-beeinflusste Strains auftauchen.
Hier wird es wissenschaftlich interessanter.
Eine Untersuchung verschiedener THC-dominanter Cannabis-Cultivare identifizierte tatsächlich eine Gruppe von Proben mit Namen wie:
OG Kush, Tahoe OG Kush, Skywalker OG Kush, Crown OG und Gas.
Diese Gruppe war tendenziell besonders von Myrcen und Limonen geprägt.
Eine andere umfangreiche Untersuchung verschiedener Cannabis-Chemotypen fand bei einer analysierten OG-Kush-Probe dagegen β-Caryophyllen als dominanten Bestandteil des ätherischen Ölprofils.
Das ist kein Widerspruch, sondern ein wichtiger Hinweis.
Es gibt nicht das eine chemisch unveränderliche OG-Terpenrezept.
Unterschiede entstehen unter anderem durch:
Genetik, Cut, Anbauumgebung, Erntezeitpunkt, Post-Harvest und die Tatsache, dass nicht jede als OG Kush verkaufte Pflanze genetisch identisch ist.
Die sinnvollere sensorische Beschreibung lautet deshalb:
klassisches OG bewegt sich häufig zwischen Gas/Fuel, Pinie, Erde und Citrus – aber der konkrete chemische Fingerprint kann deutlich variieren.
β-Caryophyllen gehört zu den häufigsten Cannabis-Terpenen überhaupt.
Dass es in einer OG-Probe dominant vorkommt, macht es deshalb nicht zu einem exklusiven OG-Marker.
Dasselbe gilt für:
Myrcen, Limonen und Pinene.
Die Wiedererkennbarkeit von OG entsteht wahrscheinlich eher aus einem Verhältnis verschiedener flüchtiger Verbindungen als aus einem einzigen Leit-Terpen.
Außerdem weiß man inzwischen, dass ein Teil charakteristischer „Gas“- und „Skunk“-Noten nicht allein durch die klassischen Terpene erklärt wird.
Das Aroma eines Strains ist chemisch komplexer als die drei größten Balken eines Terpen-Laborberichts.
OG Kush half, einen Aromastil populär zu machen, der später gemeinsam mit Chem- und Diesel-Genetiken einen riesigen Teil amerikanischer Cannabis-Kultur prägte.
Dieser Stil stand im deutlichen Gegensatz zu:
fruchtigen, floraleren oder klassischen Haze-Profilen.
Plötzlich wurde ein Aroma attraktiv, das Begriffe hervorrief wie:
Fuel, Gas, Kerosin, Chem und Rubber.
Genau deshalb lässt sich die moderne Geschichte gasiger Strains kaum erzählen, ohne OG mitzudenken.
Es bedeutet allerdings nicht, dass jede gasige Genetik von OG abstammt.
Chem-, Sour- und andere Familien besitzen eigene historische Linien.
Ein interessantes Beispiel für die Weiterentwicklung der LA-Kush-Welt ist Kosher Kush.
Die bei Cannaseuse angebotene Kosher Kush von DNA Genetics wird auf einen LA-Kush-Clone zurückgeführt und zeigt, wie aus dem breiteren kalifornischen Kush-/OG-Umfeld eigenständige moderne Genetics entstanden.
DNA Genetics besitzt heute zahlreiche Strains, in deren Stammbäumen Kosher Kush, Ghost OG oder OG Kush wieder auftauchen.
Dadurch eignet sich die DNA Genetics Collection hervorragend, um zu sehen, wie eine klassische US-Genetik über mehrere Zuchtgenerationen in neue Kombinationen einfließt.
OG wird damit nicht einfach kopiert.
Es wird weiterverwendet.
Auch die Entwicklung moderner Autoflowering-Sorten zeigt, wie weit sich OG inzwischen verbreitet hat.
Breeder haben OG-nahe Genetics in automatisch blühende Zuchtprogramme integriert.
Ein sehr direktes Beispiel ist die Original Auto OG Kush von 42 Fast Buds.
Hier wird die klassische OG-Richtung in ein modernes Autoflower-Format übertragen.
Andere Breeder gehen noch weiter und nutzen OG-Verwandte als Bestandteile eigener Autoflower-Familien.
Bei Mephisto Genetics finden sich beispielsweise 3 Bears OG, Ripley's OG und mehrere davon abgeleitete Kreuzungen.
Damit zeigt OG besonders gut, wie sich Cannabisgenetik verändert:
Ein ursprünglich als Clone verbreiteter 1990er-Cut wird Jahrzehnte später Bestandteil völlig neuer autoflowering Zuchtprogramme.
Gerade weil OG so bekannt wurde, taucht die Bezeichnung heute auf enorm vielen Produkten auf.
Das führt zu einem Problem:
OG im Namen garantiert keine direkte Nähe zum historischen Original-Cut.
Ein Strain kann:
einen OG-Elternteil besitzen, einen entfernten OG-Vorfahren tragen, über eine moderne OG-Selektion entstanden sein oder schlicht eine sensorische beziehungsweise marketingbezogene OG-Assoziation verwenden.
Deshalb lohnt sich immer der Blick auf die tatsächliche Lineage.
Breeder wie Grounded Genetics zeigen beispielsweise sehr konkret, welche OG-Komponenten in bestimmten modernen Kreuzungen verwendet wurden.
Die aktuelle Grounded-Genetics-Auswahl bei Cannaseuse verbindet klassische OG-Familien teilweise mit völlig anderen modernen Flavor-Welten.
Genau solche Stammbäume machen sichtbar, wie tief OG heute im modernen Genpool steckt.
Der Einfluss von OG endet außerdem nicht bei Strains, die OG im Namen tragen.
Viele spätere US-Genetiken besitzen Stammbäume, die indirekt wieder in OG-, Kush- oder Chem-Familien führen.
Mit der Entstehung von:
Cookies, Gelato, Runtz und zahlreichen modernen Dessert-Hybriden
änderte sich zwar das sensorische Zentrum der Szene.
Die älteren Gas- und Kush-Familien verschwanden aber nicht.
Sie wurden häufig Teil komplexerer Kreuzungen.
Dadurch trägt ein moderner Candy-Strain möglicherweise historische OG-Einflüsse, obwohl sein Name keinerlei Hinweis darauf gibt.
Genetikgeschichte ist tiefer als Branding.
Historische und moderne Strain-Datenbanken beschreiben OG Kush häufig mit Begriffen wie:
stark, körperlich, entspannend oder intensiv.
Aus diesen historischen und modernen Beschreibungen lässt sich jedoch keine feste Wirkungskategorie ableiten.
Cannabiseffekte hängen unter anderem ab von:
Cannabinoidkonzentration, Dosis, individueller Empfindlichkeit, Konsumerfahrung und tatsächlicher chemischer Zusammensetzung.
Hinzu kommt das bereits beschriebene Problem:
Zwei Produkte mit dem Namen OG Kush können genetisch und chemisch deutlich voneinander abweichen.
Die Aussage:
OG wirkt immer auf eine bestimmte Weise
ist deshalb biologisch kaum haltbar.
Für das Verständnis von OG sind Herkunft, Aroma und Zuchtgeschichte wesentlich belastbarer als pauschale Wirkungsversprechen.
Auch das klassische Indica-/Sativa-Schema stößt bei OG schnell an Grenzen.
OG Kush wird im Handel häufig als:
Indica-dominant beziehungsweise indica-leaning
beschrieben.
Genomische Forschung zeigt jedoch allgemein, dass kommerzielle Indica-/Sativa-Bezeichnungen genetische Verwandtschaft nur eingeschränkt abbilden.
Für OG ist die konkrete Abstammung deshalb interessanter als eine Prozentzahl.
Die bessere Beschreibung lautet:
eine historische US-Hybridgenetik mit eigener, nicht vollständig dokumentierter Abstammung und starkem Einfluss auf moderne Kush- und Westcoast-Linien.
Cannabis-Trends bewegen sich schnell.
Skunk.
Haze.
OG.
Cookies.
Gelato.
Z.
Runtz.
Neue Namen kommen, andere verschwinden.
OG gehört zu den wenigen Bezeichnungen, die mehrere solcher Wellen überlebt haben.
Der Grund liegt weniger in Nostalgie als in ihrer züchterischen Anschlussfähigkeit.
OG konnte:
mit anderen Kush-Linien kombiniert werden, Teil von Cookies-nahen Stammbäumen werden, moderne Gas-Hybride prägen und sogar in Autoflowering-Programme integriert werden.
Dadurch wurde aus einem einzelnen Clone ein Stück genetischer Infrastruktur moderner Cannabiszüchtung.
Vielleicht ist genau das der interessanteste Punkt.
Der originale Cut gehört zur Cannabisgeschichte der 1990er-Jahre.
Die OG-Familie ist dagegen weiterhin in Bewegung.
Neue Breeder wählen andere OG-Cuts.
Sie kombinieren diese mit neuen Eltern.
Sie selektieren andere Phänotypen.
Sie übertragen Eigenschaften in feminisierte oder autoflowering Populationen.
Dadurch verändert sich das, was heute als OG wahrgenommen wird.
Das ursprüngliche Kapitel bleibt bestehen.
Der Stammbaum wächst weiter.
OG bedeutet Ocean Grown.
Das ist eine populäre Geschichte. Der direkte Bericht von Josh D lautet dagegen: OG bedeutet Original.
OG bedeutet Original Gangster.
Auch diese Erklärung wurde durch die enge Verbindung mit kalifornischer Hip-Hop-Kultur populär. Sie ist kulturell plausibel, aber nicht die Ursprungserklärung von Josh D.
OG Kush ist Chemdawg × Lemon Thai × Hindu Kush.
Diese Abstammung wird häufig wiederholt, ist aber nicht als ursprüngliche Zuchtkombination belastbar dokumentiert.
OG Kush stammt aus dem Hindu Kush.
Nein. Die historische OG ist eine US-Genetik aus der Florida-/Kalifornien-Geschichte. „Kush“ im Namen beweist keine direkte Landrace-Herkunft.
Jede OG Kush ist genetisch dieselbe Pflanze.
Nein. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen erhebliche genetische und chemische Unterschiede selbst zwischen Proben mit identischem Cultivar-Namen.
OG besitzt immer dasselbe Terpenprofil.
Nein. Untersuchungen fanden unterschiedliche dominante Profile in verschiedenen OG-Kush-Proben.
Nach der direkten Aussage von Josh D steht OG für Original. Ocean Grown und Original Gangster sind verbreitete spätere Interpretationen.
Die dokumentierte Geschichte führt in die frühen bis mittleren 1990er-Jahre nach Florida. 1996 gelangte der Cut nach Los Angeles und wurde dort unter anderem von Josh D erhalten und verbreitet.
Josh Del Rosso gilt als eine der zentralen Personen bei Erhaltung, Kultivierung und Verbreitung der ursprünglichen OG Kush in Südkalifornien.
Nicht vollständig. Häufig genannte Stammbäume wie Chemdawg × Lemon Thai × Hindu Kush sind nicht ausreichend als ursprüngliche Parentage dokumentiert.
Der historische OG-Kush-Cut wurde clone-only weitergegeben. Moderne OG-Kush-Samen sind züchterische Seed-Versionen beziehungsweise Ableitungen dieser genetischen Familie.
Zu den bekanntesten Namen gehören unter anderem SFV OG, Tahoe OG, Ghost OG und Larry OG. Ihre genauen historischen Beziehungen und Provenienzen können je nach Quelle unterschiedlich dokumentiert sein.
Klassische Beschreibungen bewegen sich stark zwischen Fuel, Gas, Kiefer, Erde und Citrus. Josh D beschreibt den originalen Charakter mit Pine-Sol, Kerosin und erdigem Gas.
Myrcen, Limonen und β-Caryophyllen tauchen in Analysen von OG-bezeichneten Cannabisproben häufig auf. Ein einzelnes universelles OG-Terpenprofil existiert jedoch nicht.
Im Handel wird OG Kush häufig als indica-dominanter Hybrid beschrieben. Solche Kategorien bilden genetische Verwandtschaft jedoch nur eingeschränkt ab.
Kosher Kush gehört zur kalifornischen LA-Kush-Welt und besitzt starke kulturelle und züchterische Nähe zur breiteren OG-/Kush-Familie. Die genaue historische Identität sollte jedoch nicht einfach mit dem originalen OG-Kush-Cut gleichgesetzt werden.
Ja. Moderne Breeder haben OG-beeinflusste Genetics in autoflowering Zuchtprogramme integriert.
Weil der Cut und seine Nachkommen einen enormen Einfluss auf die Cannabiszüchtung der US-Westküste und zahlreiche spätere Hybridfamilien hatten.
OG ist eines der besten Beispiele dafür, wie aus einer einzelnen Cannabisgenetik eine ganze Kultur entstehen kann.
Die heute am besten dokumentierte Geschichte führt von einer Florida-Kush der frühen 1990er-Jahre zu einem 1996 nach Los Angeles gebrachten Clone. Dort wurde die Pflanze unter anderem durch Josh D kultiviert, erhalten und verbreitet – und entwickelte sich zum Ausgangspunkt eines großen Teils der späteren OG-Familie.
Auch die Bedeutung des Namens lässt sich inzwischen klarer einordnen als früher. Ocean Grown und Original Gangster gehören zur Cannabis-Folklore. Der direkte Bericht eines der zentralen Beteiligten lautet dagegen schlicht:
Original.
Noch unsicherer ist die Parentage. Der häufig kopierte Stammbaum aus Chemdawg, Lemon Thai und Hindu Kush sollte deshalb nicht wie eine gesicherte Abstammung behandelt werden.
Gleichzeitig zeigt OG perfekt, warum Strain-Namen alleine nicht ausreichen. Wissenschaftliche Untersuchungen fanden selbst unter identisch bezeichneten Cannabisproben erhebliche genetische und chemische Unterschiede. Provenienz, Cut und Breeder sind deshalb entscheidend, wenn man verstehen möchte, welche Genetik tatsächlich vor einem steht.
Heute lebt OG in völlig unterschiedlichen Formen weiter: als moderne feminisierte OG Kush, über LA-Kush-Verwandte wie Kosher Kush, über SFV-OG-basierte Hybride bis zu automatischen Genetics und neuen Gas-Projekten.
Damit spiegelt OG genau die Entwicklung wider, die moderne Cannabisgeschichte insgesamt prägt:
Ein Cut wird geteilt. Eine Genetik wird zum Namen. Der Name wird zur Familie. Und die Familie wird zum Baustein für Generationen neuer Strains.
OG ist deshalb weniger eine Abkürzung als ein Kapitel Cannabisgeschichte – eines, dessen Einfluss bis heute in modernen Stammbäumen weiterlebt.