
Cannabis Lexikon
Osmosewasser ist kein automatisches Upgrade für jeden Grow. Der eigentliche Vorteil von RO liegt darin, die Ausgangschemie kontrollierbarer zu machen – vor allem dann, wenn Alkalinität, Natrium, Chlorid oder die gesamte Salzlast des Leitungswassers tatsächlich problematisch sind.
Wann RO-Wasser wirklich sinnvoll ist, warum Alkalinität oft wichtiger als der reine Wasser-pH ist und wie Leitungswasser, Blending, Remineralisierung, EC und unterschiedliche Grow-Medien zusammenhängen.
Definition
Osmosewasser beziehungsweise RO-Wasser entsteht durch Umkehrosmose: Wasser wird unter Druck durch eine semipermeable Membran geleitet, die einen großen Teil gelöster Salze und anderer Stoffe zurückhält. Das gereinigte Permeat besitzt typischerweise einen deutlich niedrigeren EC und eine sehr geringe Alkalinität.
Alkalinität
Beschreibt die Säureneutralisationskapazität des Wassers und ist für die langfristige pH-Wirkung oft wichtiger als der momentane Wasser-pH.
EC
Zeigt die Leitfähigkeit gelöster Ionen – aber nicht, ob sie aus Calcium, Magnesium, Natrium, Chlorid oder Dünger stammen.
RO
Reduziert erwünschte und unerwünschte Mineralien zugleich. Die fertige Nährlösung muss deshalb anschließend vollständig formuliert sein.
In diesem Beitrag
Merksatz
Die bessere Wasserstrategie beginnt nicht bei der Osmoseanlage, sondern bei der Wasseranalyse. Erst wenn Alkalinität, EC, Calcium, Magnesium, Natrium und Chlorid bekannt sind, lässt sich beurteilen, ob Leitungswasser, Blending, Ansäuerung oder RO sinnvoller ist.
Licht lässt sich messen.
Dünger lässt sich dosieren.
Klima lässt sich steuern.
Beim Wasser verlassen sich dagegen erstaunlich viele Grower\*innen einfach auf den Hahn.
Dabei beginnt jede Nährlösung bereits mit einer chemischen Ausgangssituation.
Leitungs-, Brunnen- oder Quellwasser kann Calcium und Magnesium enthalten.
Bicarbonat.
Natrium.
Chlorid.
Sulfat.
Und zahlreiche weitere gelöste Ionen.
Diese Stoffe beeinflussen den EC des Ausgangswassers, seine Pufferkapazität und später die Zusammensetzung der Nährlösung.
Genau deshalb empfehlen Gewächshaus- und Hydroponik-Fachquellen nicht zuerst einen Wasserfilter.
Sondern:
eine Wasseranalyse.
Oklahoma State bezeichnet sie sogar ausdrücklich als ersten Schritt des Nährstoffmanagements in Hydroponik. Penn State empfiehlt insbesondere pH, Alkalinität, Härte und EC zu berücksichtigen.
Erst danach lässt sich sinnvoll entscheiden:
Leitungswasser behalten?
Alkalinität korrigieren?
Mit einer zweiten Wasserquelle mischen?
Oder tatsächlich auf Umkehrosmose setzen?
Was im Grow meist als Osmosewasser oder RO-Wasser bezeichnet wird, ist Wasser aus einer Reverse-Osmosis- beziehungsweise Umkehrosmoseanlage.
Dabei wird das Ausgangswasser unter Druck durch eine semipermeable Membran geleitet.
Ein großer Teil des Wassers kann die Membran passieren.
Viele gelöste Ionen und andere Stoffe werden dagegen zurückgehalten und mit einem konzentrierteren Teilstrom abgeführt.
Das Ergebnis sind:
Permeat – das gereinigte RO-Wasser
und
Konzentrat – der stärker salzhaltige Reststrom.
Professionelle horticulture Quellen beschreiben für Umkehrosmose eine Entfernung der gesamten gelösten Salze von ungefähr 95 bis 99 Prozent, wobei die tatsächliche Rückhalterate unter anderem von Membran, Druck, Temperatur und Ausgangswasser abhängt. Auch einzelne Ionen werden unterschiedlich effizient zurückgehalten.
RO-Wasser ist deshalb nicht chemisch „nichts“.
Aber es enthält typischerweise erheblich weniger gelöste Mineralien und besitzt eine sehr geringe Alkalinität und elektrische Leitfähigkeit.
Der größte Vorteil ist nicht Reinheit.
Es ist:
Kontrolle.
Stell dir zwei Nährlösungen vor.
Bei der ersten beginnt das Ausgangswasser bereits mit:
Calcium.
Magnesium.
Natrium.
Bicarbonat.
Sulfat.
Chlorid.
Und einem messbaren EC.
Bei der zweiten beginnt man mit sehr mineralarmem RO-Wasser und fügt die gewünschten Pflanzennährstoffe anschließend gezielt hinzu.
Bei letzterem ist wesentlich transparenter, woher die Ionen in der fertigen Lösung stammen.
Genau deshalb wird RO-Wasser in Forschung und kontrollierter Pflanzenproduktion häufig eingesetzt.
Eine Cannabis-Studie zu einzelnen Nährstoffmängeln setzte beispielsweise bei der Bewurzelung RO-Wasser ein und stellte daraus mit einem vollständigen Dünger eine Nährlösung von EC 1,7 dS/m und pH 5,8 her. Diese Werte waren Studienbedingungen und keine universelle Düngeempfehlung – sie zeigen aber sehr gut das Prinzip: Das RO-Wasser war der Ausgangspunkt, die eigentliche Pflanzenversorgung entstand erst durch die Nährlösung.
Viele Wasserprobleme werden im Grow unter dem Wort „hart“ zusammengefasst.
Chemisch sind dabei mindestens vier Größen zu unterscheiden.
Der pH beschreibt, wie sauer oder basisch eine Lösung im Moment der Messung ist.
Er sagt jedoch wenig darüber aus, wie stark sich das Wasser gegen eine pH-Veränderung wehrt.
Deshalb kann ein Wasser mit pH 7,5 horticulture-technisch unproblematischer sein als ein anderes Wasser mit demselben pH.
Entscheidend ist häufig die Alkalinität.
Alkalinität beschreibt vereinfacht die Fähigkeit des Wassers, Säuren zu neutralisieren.
In natürlichen Bewässerungswässern wird sie vor allem durch Bicarbonat und Carbonat bestimmt.
Hohe Alkalinität wirkt bei wiederholter Bewässerung gewissermaßen wie eine kontinuierliche basische Belastung und kann den Substrat-pH langfristig nach oben verschieben.
Penn State bezeichnet die Gesamtalkalinität deshalb als einen der wichtigsten Parameter von Bewässerungswasser und nennt ungefähr 30 bis 100 mg/L als CaCO₃ als allgemeinen horticulture Orientierungsbereich; Werte oberhalb etwa 150 mg/L können bei vielen Kulturen problematisch werden. Solche Grenzen sind keine Cannabis-spezifischen Naturgesetze, verdeutlichen aber die Größenordnung.
Mehr zur Beziehung zwischen Wasser und Wurzelzonen-pH erklärt das Cannaseuse-Lexikon zum pH-Wert beim Cannabis-Grow.
Wasserhärte beschreibt hauptsächlich die Konzentration von Calcium und Magnesium.
Hartes Wasser besitzt häufig auch eine höhere Alkalinität.
Aber:
Härte und Alkalinität sind nicht dasselbe.
Penn State weist ausdrücklich darauf hin, dass hartes Wasser oft alkalisch ist, diese Beziehung aber nicht zwingend besteht.
Das ist wichtig, weil Calcium und Magnesium keine unerwünschten Schadstoffe sind.
Beides sind essentielle Pflanzennährstoffe.
Ein Wasser kann also relativ viel Calcium enthalten und trotzdem horticulture-technisch brauchbar sein.
EC bedeutet Electrical Conductivity.
Er misst die elektrische Leitfähigkeit der Lösung und dient als Näherungswert für die Gesamtmenge gelöster Ionen.
Das Problem:
EC verrät nicht, welche Ionen den Wert erzeugen.
Ein Ausgangswasser mit einem höheren EC könnte einen relevanten Anteil Calcium und Magnesium enthalten.
Oder problematisch viel Natrium und Chlorid.
Das EC-Meter kann diesen Unterschied nicht erkennen.
Genau diese Einschränkung gilt auch später für die Nährlösung. Neuere Cannabisforschung weist ausdrücklich darauf hin, dass EC die Gesamtkonzentration einer Lösung beschreibt, nicht deren Nährstoffzusammensetzung.
Vertieft wird dieser Unterschied im Cannaseuse-Beitrag zum EC-Wert bei Cannabis.
Das gehört zu den häufigsten Missverständnissen.
Ein Grower misst:
pH 7,6.
Und denkt:
schlechtes Wasser.
So lässt sich Bewässerungswasser nicht sinnvoll beurteilen.
UMass dokumentierte beispielsweise Gewächshauswässer mit durchschnittlichen pH-Werten deutlich über 7, ohne dass automatisch ein gravierendes Problem bestand. Entscheidend war, ob gleichzeitig die Alkalinität hoch war.
Penn State formuliert es noch klarer:
Der pH des Wassers allein ist für die Produktion häufig von begrenzter Aussagekraft. Entscheidend ist die Beziehung zwischen pH und Alkalinität.
Die bessere Frage lautet deshalb nicht:
„Welchen pH hat mein Leitungswasser?“
Sondern:
„Wie viel Alkalinität bringt es mit?“
Umkehrosmose kann eine breite Palette gelöster Stoffe stark reduzieren.
Dazu gehören unter anderem:
Die University of Kentucky beschreibt RO als Verfahren, das nahezu die gesamte Alkalinität und einen Großteil problematischer gelöster Stoffe aus Bewässerungswasser entfernen kann.
Genau darin liegt aber gleichzeitig der Nachteil.
Die Membran unterscheidet nicht zwischen:
„dieses Calcium möchte die Pflanze“
und
„dieses Natrium möchte ich loswerden“.
RO reduziert beides.
Die Antwort lautet:
Die fertige Nährlösung muss vollständig sein.
Das ist etwas anderes als:
Jedes RO-Wasser braucht automatisch ein CalMag-Produkt.
Calcium und Magnesium sind essentielle Pflanzennährstoffe.
Wenn das Ausgangswasser kaum noch davon liefert, müssen sie aus der Düngeformulierung kommen.
Aber ein vollständiger Basisdünger kann beide bereits enthalten.
Eine Cannabis-Hydroponikstudie arbeitete beispielsweise mit einer Kontrolllösung von ungefähr 130 mg/L Calcium und 40 mg/L Magnesium. Diese Konzentrationen waren Teil der dort verwendeten Versuchsnährlösung – keine universelle Empfehlung –, zeigen aber, dass Ca und Mg gezielt über die Nährstoffrezeptur aufgebaut werden können.
Deshalb ist:
„RO? Dann unbedingt CalMag.“
zu simpel.
Besser:
„Bei RO-Wasser prüfen, wie viel Calcium und Magnesium die vollständige Nährstoffrezeptur tatsächlich liefert.“
Denn auch ein unnötig zusätzliches Supplement verändert EC und Ionenverhältnisse.
Coco besitzt eigene chemische Eigenschaften.
Das Material kann über seine Kationenaustauschplätze unter anderem Calcium, Magnesium und Kalium beeinflussen.
Deshalb werden Calcium und Magnesium bei Coir-Systemen häufig stärker beachtet.
Das bedeutet aber nicht, dass jeder Grow in Coco zwangsläufig dieselbe Zusatzmenge benötigt.
Ausgangswasser.
Vorbehandlung des Substrats.
Dünger.
Bewässerungsstrategie.
Und vorhandene Ca-/Mg-Konzentrationen
müssen zusammen betrachtet werden.
RO-Wasser entfernt eine Variable aus dieser Gleichung.
Es löst die Gleichung aber nicht selbst.
Hohe Alkalinität kann problematisch sein.
Daraus folgt nicht:
Je weniger, desto besser.
Sehr niedrig alkalisches Wasser besitzt nur wenig Pufferkapazität.
Penn State beschreibt für Bewässerungswasser unter ungefähr 30 mg/L CaCO₃ eine geringe Fähigkeit, pH-Veränderungen abzufangen.
Genau das trifft typischerweise auf gut aufbereitetes RO-Wasser zu.
Dadurch kann bereits eine relativ kleine Menge Dünger oder Säure den gemessenen pH deutlich verschieben.
Das erklärt auch, warum der pH eines Glases nahezu mineralfreien RO-Wassers allein keine besonders hilfreiche Grow-Messgröße ist.
Entscheidender ist die:
fertig angesetzte Nährlösung.
Denn erst nachdem Dünger und relevante Zusätze enthalten sind, besitzt die Lösung die Chemie, mit der die Wurzel tatsächlich in Kontakt kommt.
Das führt direkt zu einem weiteren Mythos.
RO-Wasser besitzt nicht deshalb Qualität, weil auf dem pH-Meter eine bestimmte Zahl erscheint.
Bei sehr geringer Alkalinität kann der pH relativ leicht durch gelöste Stoffe und schon geringe Veränderungen beeinflusst werden.
Deshalb sollte der Fokus bei einer RO-Anlage zunächst auf:
EC beziehungsweise Rückhalterate
und
Wasseranalyse
liegen.
Danach wird die Nährlösung aufgebaut.
Und erst anschließend wird beurteilt, ob deren pH zum jeweiligen System passt.
Hier sollte man nicht Erde, Coco und Hydro in einen Topf werfen.
Allgemeine Hydroponik-Guides von Oklahoma State nennen für Nährlösungen in soilless culture ungefähr pH 5 bis 6, häufig um 5,5, während der Wurzelraum etwas höher liegen kann.
Cannabis-Hydroponikstudien arbeiten häufig um pH 5,8. Das gilt beispielsweise sowohl für Versuche zur mineralischen Ernährung als auch zu spezifischen Nährstoffmängeln.
Das macht 5,8 zu einem gut dokumentierten Studienwert.
Nicht zu einem magischen Universalwert.
Bei mineralischen Böden und stärker gepufferten Substraten liegt der sinnvolle Wurzelzonenbereich höher. Cornell beschreibt für Cannabis in seinem High-Tunnel-Bodenmanagement ungefähr pH 6,0 bis 6,5 und verwendet etwa 6,2 zur Berechnung seiner dortigen Bewässerungsansäuerung.
RO verändert diese Pflanzenphysiologie nicht.
Es macht lediglich die Ausgangschemie kontrollierbarer.
In Hydro-Systemen ist Wasser nicht bloß Transportmittel.
Es ist ein wesentlicher Teil des Wurzelraums.
Gelöste Salze, pH, Sauerstoffgehalt und Nährstoffzusammensetzung wirken deshalb unmittelbar.
Je stärker ein System rezirkuliert, desto wichtiger wird außerdem die Entwicklung der einzelnen Ionen über die Zeit.
Pflanzen nehmen Nährstoffe nicht alle im selben Verhältnis auf. Ein Reservoir kann deshalb trotz scheinbar passendem Gesamt-EC chemisch aus dem Gleichgewicht geraten.
Eine 2025 veröffentlichte Cannabisstudie zu geschlossenen hydroponischen Systemen zeigt dieses Prinzip sehr gut: Höhere Nährstoffkonzentrationen erhöhten die Akkumulation im Reservoir deutlich, verbesserten Ertrag oder Qualität aber kaum.
Mehr zum System selbst erklärt Cannaseuse unter Hydroponics bei Cannabis.
RO ist hier besonders interessant, weil die Nährlösung von einem definierteren Ausgangspunkt aufgebaut werden kann.
Coco gehört ebenfalls zu den soilless Systemen.
Die Nährlösung wird sehr direkt geführt, gleichzeitig besitzt das Substrat aber eigene Wasserhalte- und Austauschkapazitäten.
Problematisches Ausgangswasser kann deshalb auch hier relevant werden:
hohe Alkalinität kann den Wurzelzonen-pH beeinflussen,
hohes Natrium erhöht die Salzlast,
und vorhandenes Calcium und Magnesium verändern die Gesamtrezeptur.
RO kann diese Variablen reduzieren.
Notwendig ist es deshalb noch nicht automatisch.
Mineralischer Boden und viele organisch geprägte Substrate besitzen eine wesentlich größere Pufferkapazität als eine direkte Hydro-Nährlösung.
Dadurch werden moderate Unterschiede im Bewässerungswasser stärker abgefangen.
Genau deshalb sind RO-Anlagen in klassischer Bodenkultur oft weniger zwingend.
Das bedeutet allerdings nicht, dass schlechtes Wasser durch Erde magisch unschädlich wird.
Sehr hohe Alkalinität.
Natrium.
Chlorid.
Oder dauerhaft hoher Salzgehalt
können auch dort zum Problem werden.
Das Wurzelsystem von Cannabis reagiert schließlich auf die chemischen und osmotischen Bedingungen seiner Umgebung – unabhängig davon, ob darüber Erde, Coco oder ein Hydro-System steht.
Gerade beim Ausgangswasser ist diese Unterscheidung entscheidend.
Ein EC-Meter misst keine „Düngermenge“.
Es misst Leitfähigkeit.
Auch Natriumchlorid erhöht den EC.
Eine Studie mit Cannabis sativa untersuchte beispielsweise Bewässerungswasser mit steigender NaCl-Salinität. Bei höheren EC-Stufen nahm die Biomasse ab und das Mineralprofil der Pflanzen veränderte sich.
Ein hoher Wasser-EC sollte deshalb nicht einfach in ein Düngeschema eingerechnet werden nach dem Motto:
Wasser EC 0,7 + Dünger EC 1,3 = fertig.
Denn die chemische Zusammensetzung der ersten 0,7 ist entscheidend.
Calcium.
Magnesium.
Bicarbonat.
Oder Natrium und Chlorid
sind agronomisch nicht dasselbe.
RO wird interessant, wenn eine Wasseranalyse tatsächlich ein Problem zeigt.
Beispiele sind:
Wenn Bicarbonate das Medium oder die Nährlösung immer wieder nach oben treiben, kann RO einen großen Teil der alkalischen Last entfernen.
Diese Ionen liefern keinen sinnvollen Ersatz für Pflanzennährstoffe wie Calcium oder Kalium und können bei Akkumulation problematisch werden.
Dann bleibt weniger Spielraum, eine definierte Nährlösung aufzubauen.
Bei Brunnen- oder bestimmten Oberflächenwässern kann die Zusammensetzung saisonal schwanken.
Je genauer einzelne Nährstoffe kontrolliert werden sollen, desto wertvoller kann ein reproduzierbares Ausgangswasser werden.
Wenn die Analyse zeigt:
moderate Alkalinität,
niedrigen Natrium- und Chloridgehalt,
brauchbare Calcium-/Magnesiumwerte
und einen niedrigen bis moderaten EC,
kann gutes Leitungswasser sogar einen Teil der Pflanzenernährung beitragen.
UMass weist ausdrücklich darauf hin, dass Bewässerungswasser mit moderaten Mengen an Calcium und Magnesium ernährungsphysiologisch für Gewächshauskulturen nützlich sein kann.
RO würde diese Mineralien erst entfernen, damit sie anschließend wieder über Dünger zugeführt werden.
Das kann für maximale Kontrolle sinnvoll sein.
Effizienter ist es nicht automatisch.
Zwischen:
100 % Leitungswasser
und
100 % RO
liegt eine sehr praktische Option.
Mischen.
Wenn das Ausgangswasser beispielsweise eine zu hohe Alkalinität oder Salzlast besitzt, kann ein Anteil RO-Wasser diese Werte proportional reduzieren.
Aus:
problematisch mineralreich
und
nahezu mineralarm
wird eine gezielt eingestellte Mischquelle.
Professionelle horticulture Empfehlungen nennen das Mischen verschiedener Wasserquellen ausdrücklich als mögliche Alternative zu einer vollständigen Wasseraufbereitung.
Damit kann man gleichzeitig einen Teil des natürlichen Calcium- und Magnesiumbeitrags erhalten.
Wenn das einzige relevante Problem eine hohe Bicarbonat-Alkalinität ist, muss nicht zwangsläufig das gesamte Wasser entsalzt werden.
In professioneller Pflanzenproduktion wird alkalisches Bewässerungswasser deshalb häufig gezielt angesäuert.
Das neutralisiert einen Teil der Bicarbonate.
Wichtig:
Dabei geht es nicht einfach darum, das pH-Meter auf eine bestimmte Zahl herunterzudrücken.
Die erforderliche Säuremenge hängt wesentlich von der Alkalinität ab.
Zwei Wässer mit demselben pH können deshalb völlig unterschiedliche Säuremengen benötigen.
Für größere oder professionelle Systeme ist das eine technische Aufgabe mit entsprechender Arbeitssicherheit und kein Bereich für improvisiertes Dosieren.
Eine Umkehrosmoseanlage ist keine kostenlose Präzision.
Nicht das gesamte eingespeiste Wasser wird zum Permeat.
Ein Teil verlässt die Anlage als konzentrierter Reststrom.
Wie groß dieser Anteil ist, hängt von Anlage, Druck, Membran und Ausgangswasser ab.
RO benötigt Druck und damit technische Infrastruktur beziehungsweise Energie.
Sedimente, Kalkablagerungen und bestimmte Wasserbestandteile können Membranen belasten.
Vorfiltration und Wartung beeinflussen deshalb Leistung und Lebensdauer.
Calcium und Magnesium werden zusammen mit unerwünschten Salzen reduziert.
Die entfernten Ionen verschwinden nicht.
Sie befinden sich im Konzentrat.
UMass weist ausdrücklich darauf hin, dass RO einen salzhaltigeren Abwasserstrom erzeugt, dessen Entsorgung insbesondere im professionellen Maßstab berücksichtigt werden muss.
RO verschiebt Salze – es vernichtet sie nicht.
Eine brauchbare Wasseranalyse für den Grow sollte mindestens enthalten:
Je nach Wasserquelle können zusätzlich relevant sein:
Penn State und UMass empfehlen genau diese Art einer agronomischen Wasseranalyse, statt sich ausschließlich auf pH und einen günstigen EC-Pen zu verlassen.
Danach lässt sich erst sinnvoll entscheiden, ob das Wasser:
direkt geeignet,
mit Dünger anpassbar,
ansäuerbar,
mischbar
oder tatsächlich RO-bedürftig ist.
Nein.
Härte wird vor allem durch Calcium und Magnesium verursacht – zwei essentielle Pflanzennährstoffe.
Problematisch können hohe Alkalinität, starke Salzlast oder ungünstige Ionenkonzentrationen sein.
Nein.
Der aktuelle Wasser-pH allein ist kein ausreichendes Entscheidungskriterium. Alkalinität ist für die langfristige pH-Wirkung häufig wichtiger.
Nicht automatisch.
Ein niedriger EC gibt mehr Kontrolle, sagt aber nichts über die Vollständigkeit der späteren Nährlösung aus.
Nein.
RO reduziert gelöste Stoffe stark, erzeugt aber kein theoretisch vollkommen reines H₂O.
Zu pauschal.
Calcium und Magnesium müssen in der fertigen Nährlösung ausreichend vorhanden sein. Ob dafür ein separates Supplement erforderlich ist, hängt von Basisdünger, Medium und Gesamtrezeptur ab.
Nein.
Bei sehr niedriger Alkalinität ist der pH leicht veränderlich. Entscheidend ist normalerweise die fertig angesetzte Nährlösung.
Nein.
RO entfernt einen Teil der Ausgangssalze. Eine anschließend zu konzentriert angesetzte Nährlösung kann trotzdem erheblichen Salzstress verursachen.
Die Zusammensetzung mineralischer Dünger und ihre Wechselwirkungen werden im Cannaseuse-Lexikon unter Dünger und Nährstoffe bei Cannabis ausführlicher eingeordnet.
Gemeint ist normalerweise Wasser, das mittels Umkehrosmose stark von gelösten Salzen und anderen Stoffen befreit wurde.
Nicht grundsätzlich. Bei problematischem Ausgangswasser kann RO die Kontrolle erheblich verbessern. Gutes Leitungswasser kann dagegen vollkommen geeignet sein.
Am zuverlässigsten über eine Wasseranalyse mit mindestens Alkalinität, EC, Calcium, Magnesium, Natrium und Chlorid. Der pH allein reicht nicht.
Für die langfristige Wirkung des Bewässerungswassers auf den Substrat-pH ist die Alkalinität häufig aussagekräftiger als der momentane Wasser-pH.
Nein. Härte beschreibt hauptsächlich Calcium und Magnesium. Alkalinität beschreibt die Säureneutralisationskapazität, meist durch Bicarbonat und Carbonat.
Es gibt keinen universellen Pflichtwert. Ein funktionierendes RO-System erzeugt typischerweise Wasser mit deutlich niedrigerem EC als das Ausgangswasser. Entscheidender als eine einzelne Zielzahl ist die Rückhalterate der Anlage und die anschließende Zusammensetzung der Nährlösung.
Die fertige Nährlösung muss alle essentiellen Mineralnährstoffe enthalten. Ob dafür eine zusätzliche Remineralisierung oder ein separates Ca-/Mg-Produkt nötig ist, hängt vom verwendeten Dünger ab.
Es kann besonders hilfreich sein, weil die Zusammensetzung der Nährlösung von einem kontrollierbaren Ausgangspunkt aufgebaut wird. Notwendig ist es nur dann, wenn die Wasserqualität oder die gewünschte Präzision dies rechtfertigt.
Bei hartem, alkalischem oder salzbelastetem Ausgangswasser kann es die Nährstoffführung vereinfachen. Coco selbst stellt jedoch zusätzliche Anforderungen an die Ca-/Mg-/K-Balance.
Meist weniger zwingend als in direkter Hydroponik. Bei stark alkalischem oder salzbelastetem Wasser kann eine Aufbereitung trotzdem sinnvoll sein.
Ja. Blending ist eine etablierte Möglichkeit, Alkalinität und Salzkonzentration zu senken, ohne sämtliche Mineralien des Leitungswassers zu entfernen.
Sie kann einen Großteil gelöster Salze entfernen und damit den Ausgangs-EC stark reduzieren. Entscheidend bleibt, welche Salze den ursprünglichen EC verursacht haben.
Nein. EC muss immer zusammen mit Ionenzusammensetzung, Entwicklungsstadium und Wurzelzone interpretiert werden. Cannabisstudien zeigen allerdings, dass eine höhere Nährlösungskonzentration nicht automatisch mehr Ertrag oder bessere Qualität erzeugt.
Das Ausgangswasser analysieren lassen.
Ohne Wasseranalyse behandelt man sonst möglicherweise ein Problem, das gar nicht existiert.
RO-Wasser besitzt einen überzeugenden Vorteil.
Es nimmt einen großen Teil der unbekannten Variablen aus dem Ausgangswasser.
Weniger Bicarbonat.
Weniger Natrium.
Weniger Chlorid.
Weniger Calcium und Magnesium.
Niedrigerer Ausgangs-EC.
Damit lässt sich eine Nährlösung wesentlich gezielter aufbauen.
Aber genau darin liegt auch die Kehrseite.
RO entfernt nicht nur problematische Salze.
Es entfernt ebenfalls Mineralien, die Pflanzen verwenden können.
Es kostet Wasser und Energie.
Es produziert einen konzentrierteren Reststrom.
Und extrem mineralarmes Wasser besitzt nur geringe Pufferkapazität.
Deshalb beginnt eine sinnvolle Entscheidung nicht beim Produktkatalog einer Osmoseanlage.
Sie beginnt bei der Wasseranalyse.
Ist hauptsächlich die Alkalinität hoch, kann eine gezielte Behandlung sinnvoller sein.
Ist das Wasser nur etwas zu mineralreich, kann Blending reichen.
Ist es bereits horticulture-technisch gut geeignet, braucht es möglicherweise überhaupt keine Aufbereitung.
Und wenn Natrium, Chlorid, Alkalinität oder Gesamt-Salzlast tatsächlich zum limitierenden Faktor werden, ist RO ein ausgesprochen leistungsfähiges Werkzeug.
Osmosewasser ist beim Cannabis-Grow nicht deshalb wertvoll, weil möglichst wenig darin steckt. Es ist wertvoll, weil Grower\*innen anschließend genauer bestimmen können, was hineinkommt. Die bessere Wasserstrategie beginnt deshalb nicht mit RO – sondern mit dem Wissen, was bereits aus dem Hahn kommt.